Raţiu, Ioan

Ratiu Ioan, Politiker und Jurist. * Thorenburg (Turda, Siebenbürgen), 19. 8. 1828; † Hermannstadt (Sibiu, Siebenbürgen), 4. 12. 1902.

Nach griech.-kath. theolog. Stud. und Teilnahme an der Revolution 1848/49 in einer rumän. Legion stud. R. an den Univ. Wien (1850–54) und Pest Jus (1857 Dr. jur.) und war dann als Advokat in Thorenburg tätig. Als Abg. zum Siebenbürger Landtag 1863/64 trat R. für die Gleichberechtigung aller Nationalitäten des Landes ein; nach dem Ausgleich von 1867 war er ein entschiedener Gegner des Dualismus und befürwortete als Führer der sog. Passivisten einen Boykott des ung. Parlaments durch die Siebenbürger Rumänen. 1868 war er Mitautor der diesbezüglichen Denkschrift „Pronunciamentul“ und nahm 1869 an der Konferenz von Reußmarkt (Miercurea) teil, wo die Emanzipation der rumän. Politik in Siebenbürgen von der Führung durch die Bischöfe ihren Anfang nahm. 1881 war R. Mitbegründer des Partidul National Român (Rumän. Nationalpartei), 1892–1902 ihr Vorsitzender. 1892 verfaßte er gem. mit anderen das Memorandum, in welchem gegen die ung. Nationalitätenpolitik Klage geführt wurde und das von einer von ihm geführten Delegation K. Franz Joseph (s. d.) übergeben werden sollte. Der K. empfing aber die Delegation nicht, R. wurde in Klausenburg (Cluj-Napoca) als Mitautor 1894 zu zwei Jahren Haft verurteilt, nach 15 Monaten aber begnadigt. Er bemühte sich weiterhin um eine polit. Zusammenarbeit der ungarländ. Nationalitäten (Konferenz von Budapest 1895).


Literatur: Siebenbürg.-Dt. Tagebl. vom 6. 12. 1902; Biograph. Lex. Südosteuropas; I. Georgescu, Dr. I. R. (1828–1902), 1928; N. Iorga, Oameni cari au fost 3, 1936, S. 272f.; K. Hitchins–L. Maior, Corespondenta lui I. R. cu G. Baritiu 1861–92, 1970; Die Habsburgermonarchie 1848–1918, hrsg. von A. Wandruszka und P. Urbanitsch, 3, 1980, S. 598; UA Wien.
Autor: (M. D. Peyfuss)
Referenz: ÖBL 1815-1950, Bd. 8 (Lfg. 40, 1983), S. 433

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  • geboren in > Turda
  • gestorben in > Hermannstadt