Perthaler, Johann von

Perthaler Johann (Hans) von, Jurist und Schriftsteller. * Olang i. Pustertal (Südtirol), 31. 10. 1816; † Wien, 11. 3. 1862.

Sohn eines Arztes, Cousin der Folgenden; stud. an den Univ. Innsbruck und Wien Jus und Phil.; war 1843–48 als Konzipist in einer Rechtsanwaltskanzlei in Wien, ab 1849 im Justizmin. tätig. Hier war er mit legislator. Arbeiten betraut (neue Zivilgerichtsordnung 1849/50, Notariatsordnung 1850) und hatte, als Schmerlings engster Mitarbeiter, wesentlichen Anteil an der Ausarbeitung des Februarpatentes. 1857–59 wirkte er im Innenmin. als Ministerialsekretär im Dienst des Gen.Gouverneurs von Lombardo-Venetien, Erzh. Ferdinand Maximilian (s. d.), dann wieder im Justizmin. 1849 vertrat er die Stadt Wien als Abg. im Frankfurter Parlament. Neben seiner Amtstätigkeit unterrichtete P. Erzh. Ferdinand Maximilian und Erzh. Karl Ludwig (s. d.) 1849–53 in Staats- und Rechtslehre. Nach dem mißglückten Attentat von 1853 auf K. Franz Joseph (s. d.) propagierte er die Errichtung der Votivkirche in Wien und leitete später als Sekretär des Kirchenbaukomitees deren Bau. P., der seit seinem Eintritt ins Berufsleben auch in wiss. Fachz. zu rechtsphilosoph. und sozialpolit. Fragen Stellung genommen hatte, intensivierte ab 1848 seine publizist. Tätigkeit und war u. a. Mitarbeiter der „Wiener Zeitung“, der „Allgemeinen Zeitung (Augsburg) “, der „Innsbrucker Zeitung“ und des „Österreichischen Lloyd“. Er trat auch als Lyriker (bes. in A. Pichlers „Frühlieder aus Tirol“, 1846) und Novellist hervor. 1861 nob.


Werke: Recht und Geschichte, 1843; Das Erbkaiserthum Kleindeutschland, 1849; Ein Standpunkt zur Vermittlung socialer Mißstände im Fabriksbetrieb, 1843; Über die Herstellung des Gleichgewichtes im österr. Staatshaushalte, 1856; Österr. Marine, 1860; Palingenesis. Denkschrift über Verwaltungsreformen in Österr, 1860; Neun Briefe über Verfassungsreformen in Österr., 1860; etc. H. v. P.s auserlesene Schriften, hrsg. von A. Mayr, 2 Bde., 1883.
Literatur: Montags-Revue (Wien) vom 21. 3. 1881 (literar. Beilage); Dolomiten und Tiroler Nachr. vom 13. 3. 1962; Neue Tiroler Ztg. vom 25. 3. 1975; Kath. Bll. aus Tirol vom 23. 5. 1855; Z. für dt. Geistesgeschichte 1, 1935, S. 188 ff.; Südtirol in Wort und Bild, 6, 1962, H. 1, S. 33 f.: Der Schlern, Bd. 40, 1966, S. 515 ff.; Brümmer; M. Enzinger, Die dt. Tiroler Literatur bis 1900, in: Tiroler Heimatbücher, Bd. 1, 1929, S. 79; Giebisch–Gugitz; Kosch; Nagl–Zeidler–Castle, Bd. 3–4, s. Reg.; N. Ö.sterr. Biogr., Bd. 5, 1928, S. 102 ff.; Wurzbach; ADB; A. Pichler, Aus dem Nachlaß, in: Dt. Ztg. (Wien) vom 2. und 4. 3. 1881.
Autor: (J. Nössing)
Referenz: ÖBL 1815-1950, Bd. 7 (Lfg. 35, 1978), S. 429f.

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  • geboren in > Olang
  • gestorben in > Wien