Ostermayer, Adolf

Ostermayer Adolf, Landwirtschaftsfachmann. * Wien, 4. 7. 1867; † Wien, 25. 2. 1935.

Absolv. 1889 an der Hochschule für Bodenkultur in Wien das Stud. der Landwirtschaft. Nach dreijähriger Praxis in der Zuckerfabrik Wischau (Mähren) war er bis 1898 bei der Tabakregie, zuletzt als Offizial, vor allem in Bosnien und der Herzegowina tätig. 1898 wurde O. Wanderlehrer bei der dt. Sektion des 1897 gegründeten mähr. Landeskulturrates und hatte im Beratungs- und Förderungsdienst alle Sparten der Landwirtschaft zu betreuen. Seine Tätigkeit erstreckte sich nicht nur auf Wandervorträge, sondern in hervorragender Weise auch auf die Errichtung und Förderung genossenschaftlicher Organisationen. O. war Geschäftsführer des Landesverbandes der dt.-mähr. Herdebuchgenossenschaften (1899), gründete die Zentralmolkerei in Brünn (1901), deren Präs. er wurde, war Ausschußmitgl. des milchwirtschaftlichen Komitees für Österr. und organisierte die landwirtschaftlichen Wanderausst. in Olmütz (1903) und Znaim (1907). Darüber hinaus war er ab deren Konstituierung (1899) Sekretär der Dt. Landwirtschaftsges. für die Markgrafschaft Mähren. 1905 wurde O. zum Landwirtschaftsinsp. ernannt; auf seine Anregung errichtete die dt. Sektion des mähr. Landeskulturrates in Brünn 1908 als erste österr. Zentralstelle eine Buch- und Betriebsabt., deren Leiter er wurde. 1910 Dr. der Bodenkultur in Wien, 1911 Habil. für landwirtschaftliche Betriebslehre an der Dt. Techn. Franz Josephs-Hochschule in Brünn, 1913 ao. Prof. der landwirtschaftlichen Buchführung und Handelskde. und Taxation an der Hochschule für Bodenkultur in Wien, 1917 tit. o. Prof., 1918 o. Prof., 1919/20 und 1920/21 Rektor. 1922 Hofrat. 1928 wurde er Mitgl. des wiss. Rates des internationalen landwirtschaftlichen Inst. in Rom, dessen Vorsitzender er 1931–33 war. 1917 gehörte O. zu den Begründern der Dt. Landwirtschaftsges. für Österr.; gleichzeitig wurde das „Zentralblatt für Landwirtschaft“, dessen Schriftleitung er innehatte, zum Mitteilungsorgan dieser Ges. mit dem Titel „Nachrichten der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft für Österreich“ (ab 1932 „Zentralblatt für die Österreichische Landwirtschaft“). Er war geschäftsführendes Direktoriumsmitgl. der Dt. Landwirtschaftsges. für Österr., Obmann der 1923 gegründeten Kredit- und Handelsvereinigung der Ges. und maßgeblich mit der Schriftleitung von deren Nachrichten befaßt. 1932 zog sich O. krankheitshalber von allen Funktionen und von der Hochschule zurück. O.s Lebenswerk ist durch sein Organisationstalent und durch seine wiss. Leistung gekennzeichnet. Seine induktiv gewonnenen Forschungsergebnisse basieren auf umfangreichen buchhalter. Materialien aus bäuerlichen Betrieben. Bei seinen Arbeiten steht weniger die Reinertragsidee (Kapitalseinkommen) im Vordergrund als vielmehr der subjektive Wirtschaftserfolg, der im privatrechtlichen Einkommen, im bes. im Arbeitseinkommen, seinen Ausdruck findet. Daraus ergeben sich entscheidende Aspekte sowohl für die Taxationslehre als auch für prinzipielle Fragen der bäuerlichen Existenz.


Werke: Über die Anwendung des Kunstdüngers, in: Mitt. der Dt. Landwirtschaftsges. für die Markgrafschaft Mähren, H. 2, 1901, 2. Aufl. 1902; Untersuchungen über das rationelle Melken mit bes. Berücksichtigung der Hegelund. Melkmethode, gem. mit K. Schürl, 1903; Leistungszucht und Leistungskontrolle unter bes. Berücksichtigung des Milchviehs, 1905; Landwirtschaftliche Bauernpredigten, 1907, 2. Aufl. 1930; Untersuchungen über die Ertragsfähigkeit der mähr. Bauernbetriebe, 1911; Grundlagen der Wirtschaftslehre des Landbaues, in: Gerold’s landwirtschaftliche Bücherei, Bd. 5, 1923; etc. Zahlreiche Abhh. in Z. Red.: Centralbl. für die mähr. Landwirte, 1908 ff.
Literatur: Centralbl. für die mähr. Landwirte, Jg. 81, 1901, n. 15, Jg. 82, 1902, Beilage, n. 1, Jg. 83, 1903, n. 11. Jg. 93, 1913, n. 21, Jg. 112, 1932, n. 23; Wr. landwirtschaftliche Ztg., Jg. 74, 1924, n. 9/10, Jg. 86, 1936, n. 5; Heim und Scholle, Jg. 67, 1935, n. 5; Kürschner, Gel. Kal., 1931; Ideengeschichte der Agrarwirtschaft und Agrarpolitik im dt. Sprachgebiet, Bd. 1, 1957, S. 497 ff.; 100 Jahre Hochschule für Bodenkultur 1872–1972, Bd. 1, 1972, s. Reg.
Autor: (K. Ehrendorfer)
Referenz: ÖBL 1815-1950, Bd. 7 (Lfg. 33, 1977), S. 261f.

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