Nobel, Josef

Nobel Josef, Rabbiner. * b. Totis, Kom. Komorn (Tata, Ungarn), 1839 (1840?); † Sommer 1917.

Erhielt den ersten Unterricht von seinem Großvater, dem Rabb. A. Kutna. Während der 50er Jahre lernte er in Eisenstadt bei Rabb. Hildesheimer, der eine Lehranstalt unterhielt, welche die traditionellen religiösen Gegenstände mit den Voraussetzungen moderner Bildung im Unterrichtsplan zu verbinden suchte. So kam es, daß er hier die erste schulmäßige Berührung mit der dt. Sprache hatte und sich im Laufe der Zeit einen meisterhaften Stil darin aneignete. 1861–80 diente N. als Rabb. in verschiedenen ung. Gemeinden, zuletzt in Totis. 1880 wurde er „Klausrabbiner“ in Halberstadt. N. nahm damit eine wichtige Stellung im konservativen Judentum Deutschlands ein und blieb so dem grundlegenden Leitsatz seines Lehrers Hildesheimer, eines gebürtigen Halberstädters, auf dessen Anregung die Berufung N.s zurückgehen dürfte, „Torah’ im derekh eretz“ (frei übers.: Verbindung von Glaube und Welt) treu. Er war auch ständiger Mitarbeiter der von Hildesheimer in Berlin gegründeten Ztg. „Jüdische Presse“. N. wirkte als beliebter und geschätzter Lehrer an der „Klaus“. Von seinen exeget.-homilet. Arbeiten erschienen mehrere Bde. im Druck. Er soll in seinem Garten in Halberstadt Paradeiser angepflanzt und damit in Deutschland eingeführt haben. Von seinen Söhnen war Nehemia Anton N. der bekannteste (* Ungarn, 1871; † Frankfurt a. M., 1922). Er gehörte zu den dt. Gründern des „Mizrachi“, der religiös-zionist. Bewegung. Ab 1910 Rabb. der orthodoxen Gemeinde in Frankfurt a. M., wurde er durch sein tiefes Verständnis für die Situation des modernen Menschen ein Halt für viele Suchende oder solche, die im Glauben und damit in der Treue zum Judentum wankten.


Werke: Krit. Richtschwert, 1881; etc.
Literatur: Enc. Jud.; Jüd. Lex.; M. Zsidó Lex.; Szinnyei; H. B. Auerbach, Die Halberstädter „Klaus“ 1844 bis zu ihrem Ende, in: Z. für die Geschichte der Juden 6, 1969, S. 11 ff.
Autor: (N. Vielmetti)
Referenz: ÖBL 1815-1950, Bd. 7 (Lfg. 32, 1976), S. 138f.

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  • geboren in > Tata
  • gestorben in > Halberstadt