Montecuccoli-Laderchi, Albert Gf. von

Montecuccoli-Laderchi Albert Graf von, Verwaltungsbeamter und Landmarschall. * Mitterau (NÖ), 30. 6. 1802; † Wien, 19. 8. 1852.

Trat 1824 in den Staatsdienst und war bei der polit. Verwaltung in NÖ, dann in OÖ beschäftigt; 1831 Kreishptm. von Salzburg, 1837 Hofrat bei der oberösterr. Landesregierung in Linz. 1843 kam er als Vizepräs. des Guberniums der Lombardei nach Mailand und wurde schließlich 1846 Landmarschall von NÖ. In dieser Stellung wirkte M.-L. bei den Reformbestrebungen der niederösterr. Landstände gegen Ende des Vormärz mit. Anfang 1848 wurde er wegen der wachsenden Unruhen in Italien zum Staatsmin. ernannt und dem Vizekg. Erzh. Rainer für die Zivilverwaltung von Lombardo-Venetien beigegeben. Da sich aber für ihn im Ständekolleg kein Ersatz fand, war er bei Ausbruch der Märzrevolution noch in Wien. Hier spielte er als Vorsitzender der Landstände bei den Ereignissen des 12. und 13. 3. eine wichtige Rolle. M.-L. überbrachte die Forderungen der Volksmenge in die Hofburg und setzte sich für ihre Gewährung sowie für den Rücktritt des Staatskanzlers Metternich (s. d.) ein. In der folgenden Zeit führte er im ständ. Zentralausschuß zur Beratung der geplanten Verfassung den Vorsitz. Nach der Pensionierung des Statthalters übernahm er neben seiner Funktion als Landmarschall auch die Leitung der niederösterr. Regierung unter dem Titel eines Stellvertreters. In dieser Stellung löste er in Ausnützung der nach der Flucht K. Ferdinands (s. d.) zunächst in Wien herrschenden gemäßigten Stimmung am 26. 5. die Studentenlegion auf. Als die Durchführung dieser Maßnahme jedoch scheiterte, wurde er vom Min. fallengelassen und mußte vor der Mairevolution aus Wien fliehen. Am 27. 6. wurde M.-L. schließlich an Stelle von Hartig (s. d.) als bevollmächtigter k. Koär. zur Leitung der Zivilverwaltung in dem von der österr. Armee okkupierten Gebiet nach Italien gesandt. Nach dem Sieg Radetzkys war er unter diesem 1849 erster Zivilchef in Mailand und mit der Reorganisierung der Verwaltung beschäftigt. 1850 wurde er wieder als Sektionschef in das Innenmin. nach Wien berufen. Wegen seiner Haltung im Frühjahr 1848 wurde M.-L. nachträglich sowohl von konservativer als auch von revolutionärer Seite angegriffen. 1837 Kämmerer, 1846 Geh.Rat.


Literatur: Wr. Ztg. vom 4. 3. und 8. 5. 1848; O. Knauer, Österr. Männer des öff. Lebens von 1848 bis heute, 1960; Wurzbach; F. v. Hartig, Genesis der Revolution in Österr., 3. Aufl. 1850; Die niederösterr. Landstände und die Genesis der Revolution in Österr., 1850; A. Arneth, A. Ritter v. Schmerling, 1895; Beitrr. zur Geschichte der niederösterr. Statthalterei, 1897, S. 385; J. A. Helfert, Geschichte der österr. Revolution, Bd. 1–2, 1907–09; V. Bibl, Die niederösterr. Stände im Vormärz, 1911; K. Hugelmann, Die Entwicklung der Aprilverfassung von 1848, in: Jb. für Landeskde. von NÖ, NF, Jg. 17, 1918, S. 235 ff.; Haus-, Hof- und Staatsarchiv, Allg. Verw. A., beide Wien.
Autor: (A. Cornaro)
Referenz: ÖBL 1815-1950, Bd. 6 (Lfg. 29, 1975), S. 360

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  • geboren in > Mitterau
  • gestorben in > Wien