Mirani, Johann Heinrich

Mirani Johann Heinrich, Schriftsteller. * Prag, 25. 4. 1802; † Wien, 20. 9. 1873.

Vater der Folgenden; besuchte das Gymn. in Prag, arbeitete jedoch nach einem Jahr philosoph. Stud. bis 1833 im Seifengeschäft seines Vaters. Nach dessen Tod ging er nach Wien, wo er zehn Jahre als Buchhalter tätig war und sich seinen literar. Neigungen widmete. 1843 wurde M. von Dir. A. Pokorny als Sekretär und Geschäftsleiter an das Preßburger Theater, 1845 an das Theater i. d. Josefstadt verpflichtet, 1862 ging M. mit Pokorny an das Theater a. d. Wien. Er widmete sich nun ganz dem Theater und schrieb Zaubermärchen, Possen und Volksstücke, den Erfordernissen der jeweiligen Bühnen entsprechend, zum Tl. auch für bestimmte Schauspieler, wie Ende 1847 das Stück „Hier ein Schmied, da ein Schmied und wieder ein Schmied“, das den Komiker Treumann bekannt und beliebt machte. M.s Volksstücke, u. a. „Eine Gemeinde“, wurden auf allen Bühnen Österr. gespielt. Stampfer, Pokornys Nachfolger am Theater a. d. Wien, wandte sich ganz der Operette zu, wodurch M. gezwungen war, seine Stücke im Josefstädter Theater zur Aufführung zu bringen, wo sich Fürst (s. d.) noch ganz dem Volksstück widmete. Als es auch hier zu finanziellen Schwierigkeiten kam, richtete M. gem. mit den Volksstückdichtern Elmar, K. Haffner (s. d.), F. Kaiser (s. d.), Böhm u. a. ein Gesuch an den K., Fürst die Erlaubnis zu geben, seine Singspielhalle im Prater in ein Volkstheater umwandeln zu dürfen. Die Gewährung dieser Petition wurde mit Recht als eine Existenzfrage für Volksstück und Volksschauspieler bezeichnet. Im Fürst-Theater wurde das echte Wr. Volksstück noch einige Zeit von einem guten Ensemble gespielt.


Werke: Das Vokalquartett (Humorist. Erzählung), 1839; Die Zebrahaut (Genrebild), 1840; Hist.-romant. Erzählung aus der Vorzeit Böhmens, 1842. Schauspiele: Der Bettler vom Hohen Markt in Wien, 1844; Tambour der Garde, 1846; Der Sohn des Geächteten, 1847; Hier ein Schmied, da ein Schmied und wieder ein Schmied, 1847; Sechs Küsse, 1858; Eine Judenfamilie, 1859, tschech. 1879; Eine Gemeinde, 1860; Ohne Heirat, 1864. Novellen in Österr. Morgenbl., Der Humorist, Musikztg., Der Wanderer etc. Beitrr. für Österr. Ztg., N. Fr. Pr., Neues Fremdenbl., Wr. Vorstadt-Ztg. etc.
Literatur: Wr. Extrabl. vom 2. 10. 1873; Brümmer; Giebisch–Gugitz; Giebisch–Pichler–Vancsa; Goedeke, Bd. 12, S. 361; Kosch; Kosch, Theaterlex.; Nagl–Zeidler–Castle, Bd. 3, S. 331, 812, 888; F. Wienstein, Lex. der kath. dt. Dichter . . ., 1899; H. Partisch, Österr. aus sudetendt. Stamme, Bd. 2, 1964; Wurzbach.
Autor: (B. Stachel)
Referenz: ÖBL 1815-1950, Bd. 6 (Lfg. 29, 1975), S. 314

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