Mayer, Sigmund

Mayer Sigmund, Kaufmann und Kommunalpolitiker. * Preßburg, 12. 12. 1831; † Wien, 29. 10. 1920.

Sohn eines Preßburger Textilgroßhändlers; maturierte 1850 am Schottengymn. in Wien und stud. dann an den Univ. Wien und Prag (Kontakte mit J. Palacký und L. Rieger) Jus. 1852 gab er wegen eines Augenleidens das Jusstud. auf und trat in das Geschäft seines Vaters ein, welches 1854 um eine Filiale in Wien vergrößert wurde. 1856 spezialisierte sich M. auf den Tuchgroßhandel, ab 1859 führte er auf eigene Rechnung eine Detailkonfektion. Die ständigen wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Textilbranche in der Residenz bewogen M. 1866 zur Umwandlung des Platzgeschäftes in eine Exportkonfektion und zur Erwerbung des Kleidergeschäftes seines Bruders Albert M. in Kairo, welches unter seiner Leitung durch eine geglückte Neuorganisation und einige lukrative Regierungsaufträge zu florieren begann. Auf regionalpolit. Gebiet erwarb sich M. als entschiedener Gegner der Donauregulierungskomm. in der Frage des Nordbahnbrückenbaues große Popularität und war 1870–73 in der Bezirksvertretung der Leopoldstadt (Wien II.) tätig. 1880 wurde er als Unpolit. in den Gemeinderat gewählt. Er schloß sich vorerst aus takt. Gründen Lueger (s. d.) an, wirkte jedoch bereits ab 1881 bei den Konservativen (bis 1890). M., der vor allem in ökonom. Fragen als Kapazität galt, setzte sich immer für die Interessen seiner jüd. Glaubensgenossen ein und war ab 1894 in der „Österreichischen Israelitischen Union“ als aktiver Kämpfer gegen den wachsenden Antisemitismus maßgeblich tätig.


Literatur: Ein jüd. Kaufmann 1831–1911, Lebenserinnerungen, 1924, 2. Aufl. 1926; N. Fr. Pr. vom 15. 12. 1911 und 30. 10. 1920; O. Knauer, Die Wr. Gemeinderäte 1861–1962, in: Hdb. der Stadt Wien 77, 1962, S. 211 ff.
Referenz: ÖBL 1815-1950, Bd. 5 (Lfg. 25, 1972), S. 447

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  • geboren in > Pressburg
  • gestorben in > Wien