Lott, Franz Karl

Lott Franz Karl, Philosoph. * Wien, 28. 1. 1807; † Görz, 1874.

Sohn eines Textilfabrikanten, Vater der beiden Folgenden; wandte sich nach Abschluß des vom Vater gewünschten Rechtsstud. und einem Jahr Gerichtspraxis der Phil. zu. Von maßgebendem Einfluß auf seine philosoph. Entwicklung waren Kant, Fichte und vor allem Herbart. Nach dem Tod des Vaters stud. er ab 1838 in Göttingen Phil., Mathematik und Naturwiss. 1840 habil. er sich in Heidelberg mit einer Arbeit über Herbarts Lehre von der Unsterblichkeit der Seele, 1848 o. Prof. für Phil. in Göttingen, 1849 o. Prof. an der Univ. Wien. Durch ein Lungenleiden in seiner Lehrtätigkeit gehemmt, trat er 1872 i. R. Mit Herbart teilte L. die realist. Erkenntnisauffassung. Sinneserfahrung deutete ihm auf die Wirklichkeit hin, deren letzte Grundlagen die Metaphysik zu bestimmen hat. Sein und Ordnung der Wirklichkeit führte L. auf schöpfer. Akte (Selbstbehauptungen) des Urwesens (der Gottheit) zurück. L. veröff. wenig. In einer der Auseinandersetzung mit Trendelenburgs „Logischen Untersuchungen“ gewidmeten Schrift „Zur Logik“ entwickelte er in engem Rahmen sein System der Logik, in seiner Abh. über Vorschläge zur Abänderung der damaligen Gymnasiallehrpläne setzte er sich mit Erfolg für das große Konzept der Gymnasialreform von Exner (s. d.) und Bonitz (s. d.) ein. In seiner Festrede zum 100. Geburtstag Fichtes legte er in gedrängter Form mit bewundernswerter Klarheit die Bedeutung der Phil. Fichtes dar.


Literatur: Almanach Wien, 1874; Bll. für Techn. Geschichte, H. 5, 1936, S. 60; Th. Vogt, F.K.L., 1874; Enc. Fil.; L. Noack, Phil.-geschichtliches Lex. Hist.-biograph. Handwörterbuch zur Geschichte der Phil., 1879; Ueberweg-Oesterreich, Tl. 4, S. 268; Ziegenfuß; Nagl–Zeidler–Castle, Bd. 3, S. 29; Wurzbach; ADB.
Referenz: ÖBL 1815-1950, Bd. 5 (Lfg. 24, 1971), S. 330f.

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  • geboren in > Wien
  • gestorben in > Görz