Loewy, Moritz

Loewy Moritz (Maurice), Astronom. * Wien, 15. 4. 1833; † Paris, 15. 10. 1907.

Schon während seiner Stud. an der Techn. Hochschule und an der Univ. Wien beteiligte sich L. ab 1855 eifrig an den Beobachtungen und Bahnberechnungen von Planetoiden und Kometen auf der Wr. Sternwarte. Wegen ungünstiger Anstellungsaussichten in Österr. folgte er 1860 einem Ruf an die Pariser Sternwarte, deren Vizedir. (1878) und Dir. (1896) er wurde. Bereits 1864 (?) in Frankreich naturalisiert, nahm er 1870/71 an der Verteidigung von Paris teil. Ab 1872 war er Mitgl. des „Bureau des Longitudes“, welchem auf sein Betreiben eine Übungssternwarte angegliedert wurde. 1896 und 1900 organisierte er internationale Konferenzen in Paris, die eine zur Vereinheitlichung der Grundlagen astronom. Jbb., die andere zur Vorbereitung des Programms für die Bestimmung der Sonnenentfernung aus Oppositionsbeobachtungen des Planetoiden Eros. Als Beobachter zeichnete sich L. durch method. Erfindungsreichtum aus. Ideen, wie das von ihm zuerst konstruierte Équatorial coudé oder das mit der Kante gegen das Fernrohrobjektiv gerichtete verspiegelte Prisma, um die Aberrationskonstante unabhängig von anderen Faktoren mikrometr. meßbar zu machen, sind in abgewandelter Form (Coudé-Optik großer Spiegelteleskope; Astrolabe-à-Prisme) in neuester Zeit wieder aktuell geworden. Jahrelang leitete er das internationale Unternehmen der „Carte photographique du Ciel“. Sein gem. mit Puiseux hrsg. photograph. Mondatlas in über 60 großformatigen Bll. bildete eine der Grundlagen für moderne Spezialkarten der Astronauten. L. war Mitgl. der Akad. der Wiss. zu Wien (1889), Berlin, Paris, Rom, St. Petersburg, Washington, der Royal Astronomical Society, die ihm ihre Goldmedaille verlieh, und der Astronom. Ges. Seine Verdienste um die Höhere Geodäsie wurden durch Ordensverleihungen aller Großmächte des europ. Festlandes anerkannt.


Literatur: Almanach Wien, 1908; Annuaire du Bureau des Longitudes, 1908; C. R. Académie Paris 115, 1908; Vierteljahress. der Astronom. Ges. 43, 1908; Poggendorff 3–5; Wininger; Enc. Jud.; Jew. Enc.; Jüd. Lex.
Referenz: ÖBL 1815-1950, Bd. 5 (Lfg. 24, 1971), S. 297f.

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