Jordan, Jan Pětr

Jordan Jan Petr, Slawist, Publizist und Kaufmann. * Zieschkowitz (Oberlausitz), 15. 2. 1818; † Wien, 20. 5. 1891.

Sohn eines Gärtners; 1831 Zögling des sorb. Priesterseminars in Prag. 1836 begann J. das Stud. der Theol., wurde aber 1838 Journalist. Er ging 1841 nach Leipzig, dann für kurze Zeit in seine Heimat zurück. In Prag war er unter dem Einfluß V. Hankas (s. d.) zum begeisterten Panslawisten geworden. Schon 1836 publizierte er in der Z. „Ost und West“. 1842 wurde er Lektor für Slawistik an der Univ. Leipzig, 1843 Dr.phil., später Priv. Doz. In den vierziger Jahren begann er mit Feuereifer am Aufbau eines nationalen Kulturlebens der Lausitzer Sorben mitzuarbeiten. Er gründete die erste sorb. belletrist. Z. „Jutrnicžka“ („Morgenstern“), sammelte Volkslieder und gab eine wend. Grammatik heraus, die wegen ihrer polit. Tendenz das Mißfallen Metternichs erregte. Wegen des Unverständnisses, mit dem man seine hochfliegenden Pläne in der Heimat aufnahm, wollte er nun im gesamtslaw. Sinne auf das dt. Publikum wirken. 1843–48 gab er in Leipzig die „Jahrbücher für slaw. Literatur, Kunst und Wissenschaft“, die erste deutschsprachige slawist. Z., heraus und verfaßte die Slawen betreffende Artikel für Brockhaus’ Konversationslex. Auch Arbeiten über böhm. Geschichte und ein tschech.-dt. Wörterbuch erschienen in der Leipziger Zeit. 1848 bereitete er den Prager Slawenkongreß mit vor und verlor wegen der Teilnahme seine Leipziger Dozentur. Er ließ sich in Prag nieder und gab hier 1848–50 die „Slawischen Zentralblätter“ heraus. Die einsetzende Reaktion machte dem als enragierten Panslawisten bekannten ein weiteres Wirken in Prag unmöglich und so zog J. gegen 1860 nach Wien und war hier erfolgreich als Kaufmann und Industrieller tätig. Er arbeitete gelegentlich an den Z. „Union. Zukunft. Vaterland“ und an der „Reform“ mit.


Literatur: H. Šleca, Dr. J. P. J., jeho žiwjenje a skutkowanje (J.s Leben und Wirken), in: Casopis Macicy Serbskeje, 1924–25; J. Rauch, Presse und Volkstum der Lausitzer Sorben, 1959; Wurzbach; Otto 13.
Referenz: ÖBL 1815-1950, Bd. 3 (Lfg. 12, 1962), S. 131

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  • geboren in > Zischkowitz
  • gestorben in > Wien