Gioia, Melchiorre

Gioia Melchiorre, Schriftsteller. * Piacenza, 20. 9. 1767; † Mailand, 2. 1. 1829.

1793 Priesterweihe, zeitweise als Jakobiner eingekerkert, nach dem Frieden von Campo Formio antifranz. eingestellt, gab den Priesterberuf auf und gründete 1798 „Il Monitore Italiano“ und „Il Censore“. Später Geschichtsschreiber der 2. Cisalp. Republik und Dir. des Statist. Büros des Königreiches Italien. Umfassenden Geistes, behandelte er alle sozialen Probleme seiner Zeit. Seinen primitiven Philosoph. Sensualismus, welcher übrigens niemals absolut war, übertrug er später auf die Wiedererkenntnis der Tätigkeit des Verstandes auf Grund des durch die Sinne gebotenen Materials. Bemerkenswert ist die Bedeutung, welche er der Überlieferung und den Werken der Vergangenheit zugesteht, die nach ihm für die Erziehung der Völker von hohem Wert sind. G. zeichnet sich aber vor allem als Begründer einer Statistik, welche die gegenwärtige Situation einer Nation (la situazione attuale di una nazione) mathemat. genau wiedergibt, aus. Der liberalen Richtung angehörend, vertrat er die Idee eines durch friedliche Methoden geeinigten republikan. Italien.


Literatur: G. D. Romagnosi, Elogio storico di M. G.,' in: Biblioteca Italiana, Bd. 52, 1829; F. Lampatico, Sulla statistica ... e su M. G., 2. Aufl. 1879; F. Momigliano, Un pubblicista econ. e filosofo del periodo napoleonico, in: Rivista di Filosofia e Scienze affini, 1903/04; E. Rota, L'educazione nel pensiero di M. G., in: Boll, storico piacentino XIII, 1918; G. Capone Braga, La filosofia francese e italiana del '700, I, 3, 1920; E. Cacciato, Il pensiero pedagogico di M. G., 1921; F. Luzzatto, La politica agraria nelle opere di M. G., 1929; Enc.It.
Referenz: ÖBL 1815-1950, Bd. 1 (Lfg. 5, 1957), S. 445

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  • geboren in > Piacenza
  • gestorben in > Mailand