Engel, Franz

Engel Franz, Schauspieler und Kabarettist. Geb. Wien, 16. 9. 1898; gest. KZ Auschwitz, Deutsches Reich (PL), 17./18. 10. 1944 (ermordet); mos.

E. begann unmittelbar nach dem 1. Weltkrieg seine Laufbahn an Wiener Kabaretts wie dem Chat Noir. 1923 wechselte er an das Raimund-Theater, blieb dort bis 1926 und gab zur selben Zeit sein Filmdebüt. Besondere Erfolge feierte er als Conférencier und Parodist; sein Markenzeichen wurden humoristische Sketche im Wiener Dialekt, von denen sich u. a. „Man soll mit Pollaks nicht verkehren“, „Von was leben die Leut“ und „Hallo! Hier Radio Wien“ großer Beliebtheit erfreuten. Populär waren vor allem seine Doppel-Conférencen mit Karl Farkas im Kabarett Simpl. Mit Farkas übernahm er 1932 auch für ein Jahr die künstlerische Leitung der Revue-Bühne Moulin Rouge. Darüber hinaus war er weiterhin in klassischen Bühnenrollen am Theater an der Wien und in den Kammerspielen zu sehen. Nach dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich 1938 kehrte E., der sich seit Ende 1937 auf Gastspielreise in Amsterdam und Zürich befand, nicht mehr nach Wien zurück. Im April und Mai 1938 wirkte er in der prominent besetzten Theaterinszenierung „Warum lügst Du, Chérie?“ am Zürcher Corso-Theater mit. Schließlich blieb er in den Niederlanden und feierte dort Anfang Juli 1938 seinen ersten Erfolg in der Emigranten-Revue „Eine Reise um die Welt“ des deutschen Pianisten und Komponisten Willy Rosen an der Seite populärer Exilanten aus Berlin (Siegfried Arno, Trude Berliner) und Wien (Hortense Raky). Im Frühherbst 1938 trat er am Corso-Theater in einer Aufführung der Operette „Die Fledermaus“ auf. In den Niederlanden fand E. seitdem regelmäßig Beschäftigung bei den Revuen Rudolf Nelsons und erstellte, zusammen mit Rosen, eigene Revuen wie „Vollkraft voraus!“ und „Soeben erschienen“. Gastspiele brachten ihn noch vor Kriegsausbruch 1939 in Paris erneut mit Farkas zusammen. Nach dem Einmarsch deutscher Truppen in die Niederlande durfte E. noch bis Herbst 1940 auftreten. Er spielte in sechs teils deutsch-, teils holländischsprachigen Stücken am Theater der Prominenten im Scheveninger Lutine Palace, darunter „Kommt und lacht!“, „Alles ok“, „Viel Vergnügen!“ und „Zo juist verschenen!“. Im Frühjahr 1944 erfolgte E.s Internierung im Durchgangslager Westerbork, wo er an Unterhaltungsprogrammen („Bunter Abend 2“, „Total verrückt“) des Berliner Kabarettisten Max Ehrlich teilnahm. Im September 1944 wurde er zunächst nach Theresienstadt, Mitte Oktober nach Auschwitz deportiert und ermordet.


Literatur: U. Liebe, Verehrt verfolgt vergessen. Schauspieler als Naziopfer, 1992, S. 225 (m. B.); A. Loacker, Kino vor dem KZ. Österreichische Filmschaffende als NS-Opfer, in: filmarchiv, 2003, H. 7, S. 20 (m. B.); K. Weniger, Zwischen Bühne und Baracke. Lexikon der verfolgten Theater-, Film- und Musikkünstler 1933–1945, 2008, S. 105f. (m. B.); ders., „Es wird im Leben dir mehr genommen als gegeben …“. Lexikon der aus Deutschland und Österreich emigrierten Filmschaffenden 1933 bis 1945, 2011, S. 155f.
Referenz: ÖBL Online-Edition, Bd. (Lfg. 2, 2013)

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