Brenner, Anton

Brenner Anton, Architekt. Geb. Wien, 12. 8. 1896; gest. ebd., 26. 11. 1957 (Autounfall); röm.-kath., später konfessionslos.

Sohn des Kunsttischlers und Fabriksarbeiters Anton Brenner und der Lebensmittelhändlerin Antonia Brenner, geb. Bilek; ab 1921 mit Erna Ida Brenner, geb. Schneider, verheiratet. – B. besuchte die Bürgerschule und anschließend die Handelsakademie. 1914 unternahm er eine Sprachreise nach England, kehrte allerdings bei Ausbruch des 1. Weltkriegs nach Wien zurück, legte im Herbst die Notmatura ab und meldete sich anschließend freiwillig zum Kriegsdienst. 1916 geriet er in russische Kriegsgefangenschaft, die er in Sibirien verbrachte. Hier besuchte er Architekturkurse, die von Mitgefangenen (u. a. Hans Jaksch) abgehalten wurden. Nach seiner Entlassung (1919) hielt er sich ein Jahr in China auf, wo er in Tsingtau 1920 eine Kirche und eine Schule errichtete. Nach Wien zurückgekehrt, studierte er Architektur zunächst 1920–22 an der Kunstgewerbeschule bei →Oskar Strnad und Josef Frank sowie 1922–26 an der Akademie der bildenden Künste bei →Peter Behrens und Clemens Holzmeister. Bereits während seines Studiums erhielt er von der Gemeinde Wien den Auftrag zur Errichtung einer Wohnhausanlage in Wien 15, Rauchfangkehrergasse 26 (1924–25), wobei besonders die Grundrisse durch die Anlage von Nischen für Einbaumöbel international Beachtung fanden. Nach dem Studium nahm B. 1926 in Frankfurt am Main eine Stelle im Hochbauamt an und machte sich hier 1928 mit dem sogenannten Laubenganghaus „Brennerblock“, bei dem die Wohnungen über offene Gänge von außen erschlossen wurden, einen Namen (weitere Bauten folgten 1930 in Berlin und 1931 in Frankfurt). Dies führte 1929 zu seiner Berufung als Leiter der Architekturabteilung an das Bauhaus Dessau. 1931 lud ihn der Architekt Josef Frank ein, in Wien 13 (Engelbrechtweg 9 und 11) ein Doppelwohnhaus in der neuen Werkbundsiedlung zu erbauen, wobei die Häuser in ihrer kubischen Geschlossenheit sachliche Funktionalität aufweisen. Wie bei der Wohnhausanlage in Wien 15 legte B. auch hier das Hauptgewicht auf optimale Raumausnützung, wobei er es verstand, bei aller Rationalität einen hohen Wohnkomfort zu erreichen. In der Folge entwarf er noch eine Reihe von Siedlungs- und Wohnbauten, auf Grund der wirtschaftlichen Stagnation in der Zwischenkriegszeit konnte er jedoch keines seiner Projekte realisieren. Während des 2. Weltkriegs war B. 1939 Lazarettbauleiter der Luftwaffe, 1948 war er für die Britische Botschaft in Wien tätig: So entwarf er ein Bungalow-Versandhaus in Australien und stellte die durch Bombeneinwirkung beschädigte Britische Botschaft in Wien 3 gemeinsam mit seinem Sohn Anton (Tonio) Brenner wieder her. Für die Gemeinde Wien errichtete er 1949–50 eine Wohnhausanlage in Wien 3, Strohgasse 14. 1951 bewarb sich B. als Professor am Indian Institute of Technology in Khargarpur. Da sich das Institut erst in der Aufbauphase befand und auch kaum Studenten zu gewinnen waren, kehrte er allerdings bereits nach zwei Jahren nach Wien zurück, wo er ab 1953 mit seinem Sohn zusammenarbeitete.


Literatur: Die Presse, 19. 3. 2005 (m. B.); AKL; ÖKL; Vollmer; H. Hautmann – R. Hautmann, Die Gemeindebauten des Roten Wien 1919–1934, 1980, s. Reg.; A. Gmeiner – G. Pirhofer, Der Österreichische Werkbund, 1985, s. Reg.; J. Zapletal, A. B. Architekt, techn. DA Wien, 1990; F. Achleitner, Österreichische Architektur im 20. Jahrhundert 3/1–2, 1990–95, s. Reg.; G. Weissenbacher, In Hietzing gebaut 2, 1998, s. Reg.; H. Weihsmann, Das Rote Wien, 2. überarb. Aufl. 2002, s. Reg.; Mit Ach und Krach durchs Leben: aus dem Leben des Wiener Architekten A. B. 1–2, bearb. T. Brenner, 2005–06; A. Stuhlpfarrer, A. B.: Siedlungshaus und Mietshaus, hist.-kulturwiss. DA Wien, 2007; Architektenlexikon Wien 1770–1945, http://www.architektenlexikon.at (m. B., W. u. L.; Zugriff 31. 1. 2012); ABK, Wien.
Referenz: ÖBL Online-Edition, Bd. (Lfg. 2, 2013)

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