Breuer, Georg

Breuer Georg, Jurist und Offizier. Geb. Wien, 2. 1. 1907; gest. Vancouver, B. C. (CDN), 28. 8. 1978.

Urenkel von →Isaac Mautner, Enkel von →Isidor Mautner und →Josef Breuer, Sohn des Rechtsanwalts Johannes Breuer. Hieß ab 1943 George Bryant. – B. studierte nach Besuch des Akademischen Gymnasiums in Wien ab 1925 an der dortigen Universität Jus, 1930 Dr. jur. Danach absolvierte er eine Gerichtspraxis und war in verschiedenen Rechtsanwaltskanzleien in Wien tätig, erhielt 1934 die Substitutenberechtigung und wurde 1935 in die Verteidiger- sowie 1937 in die Rechtsanwaltsliste eingetragen, aus der er 1938 im Zuge der nationalsozialistischen Machtübernahme aus „rassischen Gründen“ wieder gelöscht wurde. Nach dem „Anschluss“ engagierte er sich im Rahmen der Aktion Gildemeester für die Auswanderung jener Juden, die nicht in die Betreuung der Israelitischen Kultusgemeinde fielen; 1939 musste er sich selbst nach Großbritannien in Sicherheit bringen. Nach Kriegsausbruch meldete sich B. zum Auxiliary Military Pioneer Corps (AMPC), in dessen Rahmen er 1940 am Frankreichfeldzug der British Expeditionary Force teilnahm und wo er zu den Letzten gehörte, die im Juni nach England evakuiert wurden. Nach drei Jahren beim AMPC warb ihn im Jänner 1943 der britische Geheimdienst Special Operations Executive (SOE) an und bildete ihn in den folgenden Monaten zum Geheimagenten aus. In dieser Phase erfolgte auch sein Namenswechsel. Ab Juli 1944 im Süden Italiens in Warteposition, wurde er im April 1945 als Kommandant der Agentengruppe „Historian“ gemeinsam mit Fred Warner, Frank Kelley und Eric Rhodes in der Obersteiermark per Fallschirm abgesetzt. Zu und nach Kriegsende konnte er wesentlich dazu beitragen, den Flughafen Zeltweg vor der Zerstörung durch die abziehenden Deutschen zu bewahren, ebenso war er in zahlreiche Sondierungsgespräche einerseits mit in der Gegend befindlichen Vertretern der deutschen Abwehr und des Reichssicherheitshauptamts, andererseits mit Offizieren der heranrückenden Roten Armee wie auch mit lokalen österreichischen Widerstandskämpfern involviert. Von Herbst 1945 bis Frühjahr 1948 wurde B., zuletzt im Rang eines Majors, bei der British Austrian Legal Unit, einem beratenden Organ der Rechtsabteilung (Legal Division) der britischen Besatzungsbehörde in Wien, verwendet. Nach seiner Demobilisierung emigrierte er noch im selben Jahr nach Kanada, wo er in der Folge im Management der Firma Canadian Forest Products (heute Canfor) tätig war. In den 1960er-Jahren engagierte sich B. als Sekretär der Chess Federation of Canada auch im kanadischen Schachwesen.


Literatur: W. Muchitsch, Mit Spaten, Waffen und Worten. Die Einbindung österreichischer Flüchtlinge in die britischen Kriegsanstrengungen 1939–1945, 1992, s. Reg.; Österreicher im Exil. Großbritannien 1938–1945. Eine Dokumentation, bearb. ders., 1992, s. Reg.; E. Lebensaft – Ch. Mentschl, „... und aufregend war das Leben von uns allen ...“. Vertreibung, Exil und Rückkehr des Rechtsanwalts Friedrich Schnek, 1997, s. Reg.; dies., „Are you prepared to do a dangerous job?“ Auf den Spuren österreichischer und deutscher Exilanten im britischen Geheimdienst SOE, 2010, s. Reg. (m. B. u. L.); The National Archives, Kew, Richmond, Imperial War Museum, London, beide GB; DÖW, Rechtsanwaltskammer Wien, UA, alle Wien; Mitteilung John Bryant, Vancouver, B. C., CDN, Frank Kelley, Orselina, CH, Eric Sanders, London, GB.
Referenz: ÖBL Online-Edition, Bd. (Lfg. 1, 2011)

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