Binder, Anton von

Binder Anton von, Tierarzt und Beamter. Geb. Wien, 11. 5. 1860; gest. ebd., 30. 7. 1927 (Ehrengrab: Wiener Zentralfriedhof).

Sohn eines Offiziers. – Nach Erlangung des Tierarztdiploms 1881 und einer mehrjährigen Volontärzeit war B. ab 1885 als Amtstierarzt bei der politischen Bezirksbehörde in Mistelbach tätig, wo er sich Verdienste um Hygienemaßnahmen, insbesondere bei der Bekämpfung der Lungenseuche der Rinder, erwarb. Dort wirkte er so erfolgreich, dass er bald in die niederösterreichische Statthalterei und später ins Ackerbauministerium berufen wurde. 1895 wurde B. zum Veterinärchef bei der niederösterreichischen Landesbehörde ernannt und leitete das dortige Veterinärdepartement. 1899 kam er in das Ministerium des Innern, dem das Veterinärwesen damals unterstand, und wurde dort 1901 Veterinärreferent. 1906 erfolgte B.s Ernennung zum Sektionsrat (ab 1917 Ministerialrat) und Ministerialreferenten, als welcher er mit der Leitung der staatlichen Veterinärverwaltung in Österreich betraut war. 1902 übernahm B. als Nachfolger von →Bernhard Sperk auch die Honorardozentur für Veterinärpolizei an der Tierärztlichen Hochschule, die er nach seinem Rücktritt als Sektionschef 1922 bis zum Wintersemester 1926/27 ausübte; 1926 ao. Prof. B. erwarb sich besondere Verdienste um die Standesgeschichte der Tierärzte: Es gelang ihm, das staatliche Veterinärpersonal zu einem gegliederten Beamtenkörper zu formen, diesen zeitgemäß auszugestalten und die finanzielle Lage der niederen Rangklassen der Veterinärbeamten zu verbessern. Das Ergebnis dieser Bemühungen war die gesetzliche Neuregelung der Dienstverhältnisse der bei der staatlichen Veterinärverwaltung in Verwendung stehenden Amtstierärzte. Auf dieser Basis ist es B. zudem gelungen, nach Überwindung erheblicher Schwierigkeiten die Standesverhältnisse der bei den politischen Landesbehörden und in der obersten Zentralstelle tätigen Veterinärbeamten im Laufe der Jahre wesentlich zu verbessern und für sie auch die Titel von Regierungs- und Hofräten zu erwirken. Darüber hinaus regte er den Veterinärratstitel für besondere Leistungen praktischer Tierärzte auf dem Gebiet der öffentlichen Veterinärpflege an. 1909 Dr. h. c. der Tierärztlichen Hochschule in Wien, wurde er 1917 in den Adelsstand erhoben.


Literatur: NFP, 2. 8. 1927 (m. Parte); Tierärztliches Zentralblatt 29, 1906, S. 521ff., 32, 1909, S. 384f.; Deutschösterreichische tierärztliche Wochenschrift 5, 1923, S. 75; G. Gass, in: Wiener Tierärztliche Monatsschrift 14, 1927, S. 631ff.; K. Kasper, ebd., S. 525ff.; G. Günther, Die Tierärztliche Hochschule in Wien, (1930), S. 61; 200 Jahre Tierärztliche Hochschule in Wien, 1968, s. Reg.; AVA, Historisches Archiv der Veterinärmedizinischen Universität, beide Wien.
Referenz: ÖBL Online-Edition, Bd. (Lfg. 3, 2014)

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