Augenfeld, Felix

Augenfeld Felix, Architekt und Designer. Geb. Wien, 10. 1. 1893; gest. New York, NY (USA), 21. 7. 1984; mos.

Sohn des Kaufmanns Isidor Augenfeld (gest. 1936), Neffe von Alois Augenfeld (s. u.), ab 1966 mit der Kunstgewerblerin Anna Epstein-Gutmann, geb. Friedländer (geb. Wien, 26. 1. 1902; gest. New York, 20. 4. 1993), verheiratet. – A. studierte nach Absolvierung der Realschule Schottenbastei 1910–12 an der TH in Wien (u. a. bei →Karl König) und 1912–14 an der Bauschule von →Adolf Loos; kriegsbedingt schloss er seine Ausbildung erst 1920 ab. Nach dem Studium in verschiedenen Architekturbüros tätig, machte sich A. um 1922 in einer Arbeitsgemeinschaft mit seinem Studienkollegen Karl Hofmann selbstständig. Bis 1938 errichteten sie in Wien und Umgebung sowie in der Tschechoslowakei vorwiegend Einfamilienhäuser und Wohnhausanlagen, die von einer gemäßigt funktionalistischen Moderne geprägt waren (Strandhaus Strauss-Likarz, 1928, Kritzendorf; Villa Dos Santos, 1929–30, Wien 18). Darüber hinaus konzipierten sie zahlreiche Wohnungseinrichtungen, insbesondere für →Sigmund Freud und dessen Familie. A., der auch mehrere Fachbeiträge publizierte und als einer der bedeutendsten Vertreter der Wiener Wohnraumkultur der Zwischenkriegszeit anzusehen ist, nahm an zahlreichen Werkbundausstellungen teil, wo er u. a. eine „Tagesbar“ (1930) einrichtete, die zu den innenarchitektonischen Glanzlichtern dieser Ära zählt. Ab 1931 als Assistent von →Oskar Strnad tätig, dessen Theorien ihn wesentlich beeinflussten, arbeitete er auch auf dem Gebiet des Bühnenbilds, besonders für →Max Reinhardt (u. a. „Mirakel“, London 1932). 1938 flüchtete A. über London in die USA, wo er sich in New York niederließ und ab 1940 seine Tätigkeit wieder aufnehmen konnte, die er bis in die 1960er-Jahre ausübte. 1941 erhielt er die amerikanische Staatsbürgerschaft und eröffnete ein Architekturbüro in New York, 1945–50 arbeitete er als Designer für die American Chair Company, 1949–50 für Henredon's Modern. Neben diversen Strandhäusern und Wohnungseinrichtungen zählen Stadthaus und Bibliothek Buttinger (1956–58, New York) für seine langjährige Freundin Muriel Gardiner, die mit dem ehemaligen sozialdemokratischen Politiker Josef Buttinger verheiratet war, zu den bedeutendsten Werken dieser Zeit. A. war Mitglied zahlreicher Vereinigungen, so ab 1920 der Zentralvereinigung der Architekten Österreichs, ab 1921 des Österreichischen Ingenieur- und Architekten-Vereins, ab 1933 der Ingenieur- und Architektenkammer Wien und ab 1940 des American Institute of Architects. Sein Onkel Alois Augenfeld (geb. Bácsalmás, H, 6. 1. 1865; gest. Wien, 25. 3. 1936; mos.), Sohn eines Privatiers, studierte nach dem Gymnasium 1885–91 an der TH in Wien und arbeitete anschließend als selbstständiger Architekt. Er realisierte einige Villen und Geschäftshäuser, insbesondere 1915 den Zubau der Allgemeinen Österreichischen Bodencreditanstalt (Wien 1). Ab 1920 war Alois A. Mitglied des Österreichischen Ingenieur- und Architekten-Vereins.


Literatur: AKL; Czeike; Hdb. der Emigration 2; Vollmer; Works in Vienna by K. Hofmann and F. A., in: Architectural Review 85, 1939, S. 245f.; R. Hanisch, F. A., phil. DA Wien, 1995; dies., Die unsichtbare Raumkunst des F. A., in: Visionäre & Vertriebene, ed. M. Boeckl, Wien 1995, S. 227–248 (Kat.); I. Meder, Offene Welten, die Wiener Schule im Einfamilienhausbau 1910–1938, phil. Diss. Stuttgart, 2003, bes. S. 232–242; H. Weihsmann, In Wien erbaut, 2005; Architektenlexikon Wien 1880–1945, http://www.architektenlexikon.at/de/12.htm (m. W. u. L., nur online, Zugriff 12. 5. 2010; auch für Alois A.); Columbia University, New York, USA.
Referenz: ÖBL Online-Edition, Bd. (Lfg. 1, 2011)

Links

Download

Lifeline

Orte

  • geboren in > Wien
  • gestorben in > New York City