Augustin, František

Augustin František, Geograph und Meteorologe. Geb. Sirakow, Böhmen (Sirákov, CZ), 24. 5. 1846; gest. Prag, Böhmen (Praha, CZ), 1. 12. 1908; röm.-kath.

Sohn eines Landwirts. – Nach Besuch des Gymnasiums in Iglau (Jihlava) studierte A. 1867–70 Geschichte an der Universität Wien und besuchte geographische Vorlesungen; 1874 Dr. phil. Ab 1872 als Geschichts- und Geographieprofessor am Akademischen Gymnasium in Prag, ab 1875 an einem städtischen Gymnasium tätig, machte er ab 1881 Beobachtungen auf den Sternwarten in Krakau (Kraków), Leipzig, Magdeburg, Hamburg und Eberswalde. 1883 habilitierte er sich an der tschechischen Universität Prag für Meteorologie. 1885 unternahm er Studienreisen nach Deutschland und 1889 nach Italien; 1895 ao., 1904 o. Prof. Neben Meteorologie und Klimatologie interessierte sich A. für kosmische Physik, Hydrographie, Ozeanographie und mathematische Geographie. Auf seine Anregung hin wurde u. a. 1905 bei der Errichtung des neuen Instituts für Mathematik und Physik der Universität Prag ein Schwerpunkt auf das Fach Meteorologie gelegt und ein meteorologisches Observatorium errichtet; seine Bemühungen um die Einrichtung eines meteorologischen Landesinstituts blieben hingegen erfolglos. 1904–08 leitete er provisorisch das Geographische Institut der tschechischen Universität. A. publizierte v. a. meteorologische und klimatologische Werke, die vielfach dem Wissen seiner Zeit weit voraus waren, darunter „Über den jährlichen Gang der meteorologischen Elemente in Prag“, 1888, oder „O nutnosti pestovati agrární meteorologii v Cechách“, 1895, und untersuchte die Wechselwirkung zwischen Meteorologie und Hydrologie unter Anwendung mathematisch-statistischer Methoden. Er bemühte sich, ein flächendeckendes meteorologisches Netz innerhalb Böhmens aufzubauen: 1892 errichtete er eine meteorologische Station auf dem Aussichtsturm auf dem Petrinhügel (Petrín) in Prag und initiierte den Bau von rund 600 Stationen zur Beobachtung von Gewittern, mit deren Entstehung und Ausbreitung er sich intensiv befasste. Für den Kanalisationsaufbau beschrieb er das Prager hydrographische Netz, stellte rund 20 Regenmess-Stationen auf und beschäftigte sich mit der Hochwasserthematik. Seine Analyse des Moldauhochwassers von 1890 „O prícinách a prubehu zárijové povodne v Cechách r. 1890“, erschienen in „Casopis pro pestování matematiky a fysiky“, Band 21, 1892, ist bis heute von großer Bedeutung. Sein Interesse galt auch der Erforschung der globalen Windverhältnisse. Das geplante Sammelwerk über das Klima Böhmens konnte er nicht mehr vollenden. A., der als bedeutendster tschechischer Meteorologe der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts gilt, übte nachhaltigen Einfluss auf bekannte Meteorologen, u. a. Stanislav Hanzlík, Rudolf Schneider und Julia Moscheles, aus und war ab 1888 außerordentliches Mitglied der königlich böhmischen Gesellschaft der Wissenschaften, ab 1894 Vizepräsident und 1907–08 Vorsitzender der Ceská spolecnost zemevedná (Tschechische Gesellschaft für Erdkunde) sowie korrespondierendes Mitglied der Ceská akademie ved a umení (Tschechische Akademie der Wissenschaften und Künste).


Literatur: Otto; Poggendorff 3–5 (m. W.); J. Belohlav, Seznam prací, pojednání a clánku, jež napsal prof. dr. F. A., 1906 (m. W.); S. Hanzlík, O prof. dr. F. A., in: Sborník Ceské spolecnosti zemevedné 15, 1909, S. 33–38; V. Häufler, Dejiny geografie na Univerzite Karlove 1348–1967, 1967, S. 101f., 389; J. Munzar u. a., Malý pruvodce meteorologií, 1989, S. 34f.; J. Martínek – M. Martínek, Kdo byl kdo – naši cestovatelé a geografové, 1998, S. 49; K. Krška – F. Šamaj, Dejiny meteorologie v ceských zemích a na Slovensku, 2001, S. 90–93; Biografický slovník ceských zemí 1, 2004; O. Ledvinka, Život a dílo F. A. (1846–1908), in: Klaudyán: internetový casopis pro historickou geografii a environmentálni dejiny 5, 2008, S. 42–52 (m. B., W. u. L.); V. Kakos, F. A., první profesor meteorologie na pražské univerzite, in: Meteorologické zprávy 61, 2008, S. 185–191; J. Martínek, Geografové v ceských zemích 1800–1945 (biografický slovník), 2008 (m. B. u. L.); Materialiensammlung ÖBL, UA, beide Wien.
Referenz: ÖBL Online-Edition, Bd. (Lfg. 1, 2011)

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