Altmann, Adolf

Altmann Adolf, Rabbiner und Historiker. Geb. Hunsdorf, Ungarn (Huncovce, SK), 8. 9. 1879; gest. KZ Auschwitz, Deutsches Reich (PL), Juni 1944; mos.

Sohn des Lederhändlers Max (Mordechai Yeheskel) Altmann und von Hanni Altmann, geb. Polak, verheiratet ab 1903 mit Malwine Altmann, geb. Weisz (geb. 2. 3. 1882; gest. KZ Auschwitz, 1944?). – A. wuchs in einer orthodoxen Familie auf und absolvierte ein Rabbinatsstudium an den Jeschiwot von Hunsdorf und Preßburg u. a. bei den Rabbinern →Samuel Rosenberg und Simcha Bunem Schreiber. Ab 1903 war er Korrespondent und Mitarbeiter zionistischer und jüdischer Zeitschriften, u. a. „Die Welt“, „Der Israelit“, ab 1904 Redakteur der „Ungarischen Wochenschrift“. Er bekannte sich früh zum Zionismus, den er in Vorträgen propagierte, und war 1904 Delegierter des Weltkongresses der Misrachi in Preßburg. Ab 1905 war er Religionsprofessor an dem von Rabbiner Meir Jung gegründeten jüdischen Gymnasium in Ungarisch Brod (Uherský Brod) in Mähren. Eine erste Anstellung als Rabbiner erhielt er in Neustadtl (Nové Mesto na Morave), 1907–14 war er Rabbiner in Salzburg; 1910 Dr. phil. an der Universität Bern. In Salzburg verfasste er ein nicht veröffentlichtes historisches Drama aus dem 15. Jahrhundert, „Die Jüdin von Altsalzburg“. Er publizierte auch Artikel und belletristische Werke, u. a. in „Dr. Blochs Wochenschrift“ und in der „Jüdischen Volksstimme“ (Brünn). Ab 1914 war er Rabbiner in Meran, ab 1915 auch Feldrabbiner der österreichisch-ungarischen Armee. 1918–20 war er wieder Rabbiner in Salzburg. 1920 wurde er zum Oberrabbiner von Trier berufen. In Trier trat er der orthodoxen Partei Agudas Jisroel (Aguda) bei, 1923 nahm er an der Weltkonferenz der Aguda in Wien teil. A. war Mitarbeiter des Preußischen Landesverbands jüdischer Gemeinden. 1938 emigrierte er mit seiner Familie in die Niederlande. Danach war er Rabbiner in Scheveningen (Den Haag) und ab 1940 in Groningen. 1943 wurde er aus dem Durchgangslager Westerbork nach Theresienstadt und am 15. Mai 1944 nach Auschwitz deportiert. Zwei der fünf Kinder des Ehepaars, Hilde Altmann und Wilhelm Altmann, wurden ebenfalls Opfer der Nationalsozialisten. Ein weiterer Sohn, Alexander Altmann, erhielt eine Stelle als Rabbiner und lehrte als Professor für jüdische Studien an der Brandeis University in Waltham, Massachusetts.


Literatur: Hdb. der Emigration 1; H. Gold, Geschichte der Juden in Österreich, 1971, S. 79f.; Dr. A. A. zum Gedenken, 1980; A. Altmann, A. A. (1879–1944), A Filial Memoir, in: Leo Baeck Institute Yearbook 26, 1981, S. 145f.; M. Altmann, in: Geschichte der Juden in Stadt und Land Salzburg, 1990, S. 12–18; ders., K. u. k. Feldrabbiner Dr. A. A. an der Kriegsfront (1915–1918) ..., in: Ein ewiges Dennoch. 125 Jahre Juden in Salzburg, ed. M. Feingold, 1993, S. 489–572; G. Kerschbaumer, Das Rabbinat A. A. 1907–1914, ebd., S. 73–130; Biographisches Handbuch der Rabbiner 1, ed. M. Brocke, 2009.
Referenz: ÖBL Online-Edition, Bd. (Lfg. 1, 2011)

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