Absolon, Karel

Speläologe, Geograph und Archäologe, geb. 16.6.1877 in Boskovice, gest. 5.10.1960 in Brünn

Enkel des Naturforschers Jindrich Wankel (1821–1897), Sohn des Arztes Vilibald Absolon (1843–1882), in zweiter Ehe verheiratet mit Valeria Absolon, geb. Minkusziewiczová (1895–1987), die sich mit paläontologischer Kunst befasste. – Nach Besuch des humanistischen Gymnasiums in Brünn (Brno) studierte A. ab 1899 Zoologie und Geographie an der tschechischen Universität Prag; 1904 Dr. phil. 1904–07 Assistent bei ¿Filip Pocta am Geologischen Institut der Universität Prag, habilitierte er sich 1907 für Geographie mit besonderer Berücksichtigung von Paläoanthropogeographie und Zoogeographie (1923 erneuert für Naturwissenschaften). 1908–38 war er Kustos der zoologischen Abteilung des Mährischen Landesmuseums in Brünn. Er legte Sammlungen fossiler Überreste von Menschen an und gründete 1928 den Pavillon Anthropos. 1926 ao. und 1927 o. Prof. für Geographie, Paläontologie und Zoogeographie an der Universität Prag, hielt er allerdings keine regelmäßigen Vorlesungen ab. Auch eine Berufung an einen anderen Lehrstuhl scheiterte. Nach 1945 lehrte er kurzzeitig an der Universität Bratislava. A. befasste sich zunächst mit der Speläofauna (Springschwänze, Zottenschwänze), verlegte sein Hauptforschungsgebiet aber bald auf die Speläologie. Mit seinem Namen sind die bedeutendsten Entdeckungen im Mährischen Karst verbunden, darunter 1914 die der Höhle Macocha und 1933 der Punkva-Ablaufhöhlen. Erfolgreich setzte er sich für die Finanzierung dieser Forschungen ein, nicht zuletzt als Mitbegründer der Aktiengesellschaft Moravský kras. Andere Forschungen betrafen die Sloup-Šošuvka-Höhlen, die Katerinská-Höhle und die Bodensenkung Rudice. Seine Ergebnisse veröffentlichte er in seiner mehrmals aufgelegten mehrbändigen Monographie „Moravský kras“, 1905–11 (Neuaufl. 2 Teile, 1970). Sein Interesse galt ebenso der Balkan-Geographie: Hier erforschte er u. a. unterirdische Flüsse in der Herzegowina und in Dalmatien, darunter die Trebišnjica, die Ombla und die Buna sowie den Zirknitzer See (Cerkniško jezero) und die Reka in Slowenien. Auf dem Gebiet des späteren Jugoslawien unternahm er 1908–22 neun Expeditionen und trug wesentlich zur Kenntnis der Fauna der balkanischen Höhlen bei, wobei er viele neue Tierarten entdeckte. Forschungsreisen führten ihn nach Nordafrika und durch Europa, u. a. nach England und Frankreich, wo der Speläologe Emmanuel de Martonn zu seinem Vorbild wurde, sowie 1936 nach Wien. Ab 1916 widmete sich A. systematisch der Paläontologie und dem Urzeitalter. Hervorzuheben sind ab 1924 seine Untersuchungen in Dolní Vestonice, wo er 1925 die berühmte Venus von Vestonice entdeckte, sowie jene des Magdalénien-Fundorts in der Höhle Pekárna im Mährischen Karst (1925–30). Ebenso forschte er im Bullenfelsen bei Adamov und in Moravany nad Váhom (bei Pieštany). Ein beträchtlicher Teil seiner Funde wurde im April 1945 beim Brand des Schlosses in Nikolsburg (Mikulov) vernichtet. Seine geographischen und speläologischen Entdeckungen sind jedoch bis heute von Bedeutung. A., der rund 2.000 Höhlen untersucht hatte, war Mitglied zahlreicher nationaler und internationaler wissenschaftlicher Vereinigungen, darunter ab 1929 außerordentliches Mitglied der Ceská akademie ved a umení (Tschechische Akademie der Wissenschaften und Künste), 1925–48 korrespondierendes Mitglied der Královská ceská spolecnost nauk (Tschechische Gesellschaft der Wissenschaften), Mitglied der Österreichischen Geographischen Gesellschaft, der Geologischen Gesellschaft in Wien, der Österreichischen Gesellschaft für Höhlenforschung sowie der Zoologisch-Botanischen Gesellschaft in Wien.

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  • Geburtsort > Boskovice
  • Sterbeort > Brünn

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