Adolf, Helen

Adolf Helen(e) (Elly), Germanistin und Schriftstellerin. Geb. Wien, 31. 12. 1895; gest. State College, Pennsylvania (USA), 13. 12. 1998; mos.

Enkelin von →Simon Spitzer, Tochter des Rechtsanwalts Dr. Jakob (Jacques) Adolf und von Hedwig Spitzer, Schwester von Anna Simona Adolf (verheiratete Spiegel) und Cousine von →Leonie Adele Spitzer. – A. besuchte das Mädchen-Lyzeum des Schulvereines für Beamtentöchter und maturierte 1913. Nach Ausbruch des 1. Weltkriegs arbeitete sie als Hilfsschwester im Rudolfspital. 1915 begann sie an der Wiener Kunstschule für Frauen und Mädchen sowie an der Kunstgewerbeschule Malerei zu studieren, wechselte aber 1919 zum Studium der Germanistik und Romanistik an die Universität Wien und promovierte 1923 summa cum laude mit der Dissertation „Zur Dramentechnik Strindbergs“. Danach pflegte A. ihren Vater und kehrte erst nach dessen Tod 1926 zu ihrer Forschungstätigkeit an die Universität zurück. Die Romanistin →Elise Richter, der Altgermanist →Max Hermann Jellinek und der Philologe →Robert Franz Arnold waren ihre wissenschaftlichen Mentoren, wie auch Karl Beth, bei dem sie ihre religionspsychologische Ausbildung erhielt. 1929 erschien ihre erste Publikation, die Übersetzung von „Therese von Avila. Der Lebensroman einer Heiligen“ von Jeanne Galzy. A. zeichnete als Herausgeberin der Gedichtanthologien „Dem neuen Reich entgegen 1850–1871“ (1930) sowie „Im neuen Reich 1871–1914“ (1932) und veröffentlichte 1937 „Wortgeschichtliche Studien zum Leib/Seele-Problem. Mittelhochdeutsch lîp ‚Leib‘ und die Bezeichnungen für corpus“, konnte sich damit jedoch nicht mehr habilitieren. 1939 emigrierte sie in die USA, zunächst nach Philadelphia, wo ihre Schwester seit 1931 eine Professur für medizinische Kolloidchemie an der Temple University innehatte. A. leitete 1940–41 das Latin Department der Foxcroft School nahe Middleburg (Virginia), 1942–43 lehrte sie Französisch an der San Luis Ranch School in Colorado und 1943 wurde sie an die State University of Pennsylvania berufen, wo sie assistant professor am German Department und 1950 full professor für Germanistik wurde. Ihre Ernennung zum ersten liberal arts research scholar 1958 ermöglichte es ihr, mehr Zeit für ihre Forschungstätigkeit aufzuwenden. Für ihre lebenslange Forschung zur Legende des Heiligen Grals, veröffentlicht in „Visio Pacis. Holy City and Grail. An Attempt at an Inner History of the Grail Legend“ (1960), wurde sie mit dem Louis H. Bell Memorial Award ausgezeichnet. Nach ihrer Emeritierung 1963 unterrichtete sie bis 1966 als Gastprofessorin am Muhlenberg College in Allentown (Pennsylvania). 1964 veröffentlichte sie den Lyrikband „Werden und Sein. Gedichte aus fünf Jahrzehnten“, 1978 gab sie die Gedichte ihrer früh verstorbenen Cousine Leonie Adele Spitzer, „Wandlungen der Liebe“, und 1986 deren Roman „Die Familie Höchst“ heraus. A. war u. a. Mitglied der Internationalen Gesellschaft für Religionspsychologie, der Medieval Academy of America, der Linguistic Society of America, der Arthurian Society und des P.E.N.-Clubs Österreich. Sie erhielt 1971 das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse.


Literatur: Bolbecher–Kaiser (m. B.); Hdb. der Emigration, s. Reg.Bd.; Hdb. jüd. AutorInnen; H. A. Festschrift, ed. S. Z. Buehne u. a., 1968 (m. B. u. W.); Lexikon deutsch-jüdischer Autoren 1, 1992 (m. B., W. u. L.); Internationales Germanistenlexikon 1800–1950, ed. Ch. König, 1, 2004; Lexikon deutschsprachiger Schriftstellerinnen im Exil 1933–1945, überarbeitete Neuaufl. 2004 (m. W.); R. Heuer, „Für den einzelnen ist jetzt das Beste: Wegschauen und Weitergehen.“ H. A., in: Zions Töchter. Jüdische Frauen in Literatur, Kunst und Politik, ed. A. M. Lauritsch, 2006, S. 99–105; http://www.la.psu.edu/CLA-Alumni/centennial/helen–adolf.shtml (Zugriff 23. 8. 2010, m. B.); IKG, UA, Wienbibliothek, alle Wien; Brookline, State College, College of the Liberal Arts, University Park, beide Pennsylvania, USA.
Referenz: ÖBL Online-Edition, Lfg. 1 (01.03.2011)

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  • geboren in > Wien
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