Tschöpe, Emanuel

Tschöpe (Tschoepe) Emanuel, Journalist. Geb. Wien, 17. 4. 1863; gest. ebd., 29. 3. 1930; röm.-kath.

Sohn des Angestellten Emanuel T. und von Eleonore Wilhelmine T., geb. Brezina, Bruder von Theodor T., zuletzt Berater beim Berliner Trabrennver. und Verf. des Buchs „Der Traber-Sport“ (1905), Vater von Gertrud T. (geb. 1897), Eleonora T. (geb. 13. 12. 1899; gest. 5. 4. 1988) und dem Komponisten Walter T. (geb. Wien, 23. 11. 1903; gest. 2. 11. 1973), Schwiegervater des Musikwiss. Robert Lach; ab 1896 verheiratet mit Leopoldine Franziska Undrich (geb. 31. 10. 1874; gest. 1934). – Nach Absolv. des Gymn. (1882) begann T. ein Stud. der Tierarzneikde., das er jedoch abbrach, um sich 1885 dem Journalismus zuzuwenden. Seine Leidenschaft galt von Beginn an der damals noch in den Anfängen steckenden Sportberichterstattung und hier in erster Linie dem Pferdesport. Er schrieb zunächst Beitrr. für die Sportpresse und war bald ständiger Mitarb. und später mehrere Jahre auch leitender Red. der Z. „Sport“, des Organs des Wr. Trabrennver. und der Campagne-Reiter-Ges. (Dressurreiter). Im „Neuen Wiener Tagblatt“, dessen Red. er seit Ende der 1890er-Jahre angehörte, leitete er nahezu 25 Jahre die Rubrik Pferdesport. Seine gediegenen journalist. Berr. ragten sowohl in fachl. als auch stilist. Hinsicht heraus und er verstand es, selbst spröde Themen unterhaltsam und humorvoll aufzubereiten. Damit hatte er nicht nur großen Einfluss auf das Niveau der heim. Rennsportjournalistik, sondern wurde auch – gem. mit seinem Bruder Theodor T. – zu einem über die Grenzen Österr. hinaus bekannten Experten auf dem Gebiet des Trabrennsports. 1896 folgte er einer Einladung des Präsidiums des Badener Trabrennver. und übernahm dort die Stelle eines Rennsekr.; in dieser Funktion, die er bis 1928 ausübte, war er für die organisator. Abwicklung der Pferderennen und die korrekte Wiedergabe der Ergebnisse verantwortl. Viele Jahre lang fand man ihn bei jedem wichtigen sportl. Ereignis auf den Rennbahnen Badens, in der Freudenau und in der Krieau. Weiters war er in derselben Funktion beim Klub der Trabrenn-Stallbesitzer und Züchter tätig und berichtete im „Sport“ regelmäßig über neue Erfolge in der Pferdezucht. Manche seiner fachl. Anregungen wurden auch von großen Trabrennver. im Ausland aufgenommen (z. B. in Budapest oder Triest) und führten zu organisator. Veränderungen im Rennsport, in der Pferdezucht usw. Nicht nur der Badener Ver., dessen Blütezeit mit seiner Tätigkeit als Rennsekr. zusammenfiel, bediente sich jahrelang seiner Expertise als Handikapper. 1920 übernahm T. zusätzl. auch die Red. der Rennsportrubrik beim „Sport-Tagblatt“. Er war Obmann des Syndikats der Rennsport-Publizisten und ab 1899 Mitgl. des Journalisten- und Schriftsteller-Ver. „Concordia“. Die allmähl. Ablöse der einst führenden Stellung des Pferdesports durch Fußball, Motor- und Radsport oder Leichtathletik nahm T. verbittert zur Kenntnis. 1923 verf. er im Auftrag des Wr. Trabrennver. die informative „Festschrift des Wiener Trabrenn-Vereines zur Feier seines fünfzigjährigen Bestandes“, die nicht nur die Entwicklung dieses Ver. darstellt, sondern auch wichtige Stationen des Trabrennsports und seiner Ver. in ganz Österr. beleuchtet.


Referenz: ÖBL 1815-1950, Bd. 14 (Lfg. 66, 2015), S. 490f.

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