Tuka, Vojtech

Tuka Vojtech (Béla, Adalbert), Jurist und Politiker. Geb. Pierg, Ungarn (Štiavnické Bane, SK), 4. 7. 1880; gest. Bratislava (SK), 20. 8. 1946 (hingerichtet).

T. stud. Rechts- und Staatswiss. in Budapest, Berlin und Paris (1901 Prom.); 1907–19 Prof. für Jus an den Univ. Pécs, Budapest und Bratislava. Nach der Gründung der ČSR musste er wegen seiner proung. irredentist. Haltung den Hochschuldienst verlassen. 1921 trat er in die Slowak. Volkspartei (SVP) ein und war bis 1929 Chefred. der Parteiz. „Slovák“. 1923 beteiligte sich T., der den italien. Faschismus bewunderte, am Hitler-Putsch in München und gründete die profaschist. Parteimiliz Rodobrana. T.s autonomist. und antitschechoslowak. Orientierung führte 1929 zu einer Verurteilung von 15 Jahren Haft wegen Hochverrats und zum Austritt der SVP aus der Prager Regierungskoalition. Die SVP verklärte T. zum Märtyrer, doch gingen führende Köpfe der Partei auf Distanz. 1938 wurde T. vorzeitig aus der Haft entlassen. Er trat weiterhin für eine Loslösung der Slowakei vom tschech. Landestl. unter enger Anlehnung an das nationalsozialist. Dtld. ein. Damit avancierte er zur Leitfigur junger Radikaler. Im Februar 1939 traf er →Adolf Hitler in Berlin und erklärte diesem, er lege das Schicksal der Slowakei in dessen Hände. Nach der Unabhängigkeitserklärung der Slowakei im März 1939 hätte →Jozef Tiso, langjähriger innerparteil. Konkurrent T.s, diesen gerne auf eine akadem. Position abgeschoben. T. wurde jedoch slowak. Innenminister, stellv. Ministerpräs. und stellv. SVP-Vors. (bis Jänner 1943). Mit der Wahl Tisos zum Präs. im Oktober 1939 stieg T. zum Ministerpräs. auf und war ab Juli 1940 auch slowak. Außenminister (beides bis zum September 1944). Er war die treibende Kraft hinter der Beteiligung der Slowakei am Krieg gegen die Sowjetunion und der Deportation der slowak. Juden, unterstützte alle dt. Vorschläge und forderte 1942 die Ausweitung der Transporte auf die Familienangehörigen der Deportierten. Im Juni 1942 suchte T. beim dt. Gesandten um „scharfen deutschen Druck“ an, um eine Verlangsamung der Transporte zu verhindern. Alle Vermittlungsversuche, etwa des vatikan. Nuntius, wies T. ab. Nach dem Krieg wurde er vom Volksgericht in Bratislava wegen seiner Beteiligung an Verbrechen gegen die Menschlichkeit verurteilt und hingerichtet.


Referenz: ÖBL 1815-1950, Bd. 14 (Lfg. 66, 2015), S. 506f.

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  • geboren in > Štiavnické Bane
  • gestorben in > Pressburg