Truhlář, Josef

Truhlář Josef, Literaturhistoriker und Bibliothekar. Geb. Talin, Böhmen (Tálín, CZ), 16. 10. 1840; gest. Kgl. Weinberge, Böhmen (Praha, CZ), 14. 2. 1914.

Sohn eines Häuslers. – T. besuchte das Gymn. in Pisek (Písek), später in Budweis (České Budějovice), wo er die Matura ablegte. 1860–65 stud. er an der Prager Univ. klass. Philol. und Geschichte. Danach wirkte er in der Prager Univ.bibl., zuerst als Amanuensis, 1870–96 als Skriptor, ab 1896 als Kustos. Mit finanzieller Unterstützung des Ver. Svatobor unternahm er mehrere Forschungsreisen nach Dtld. (Regensburg, München). 1911 lehnte er krankheitsbedingt die Funktion eines Vors. der III. Kl. der Böhm. K. Franz Joseph-Akad. der Wiss., Literatur und Kunst in Prag ab. Als Univ.bibliothekar trat er 1907 i. d. R. T. beschäftigte sich v. a. mit der Geschichte der frühhumanist. Literatur in den böhm. Ländern, wobei er sich bes. der philolog. und kulturgeschichtl. Analyse widmete und mehrere Sprachdenkmäler dieser Zeit hrsg. (u. a. die Korrespondenzen von Bohuslav Lobkowicz v. Hassenstein, Johann Schlechta v. Wschehrd, Racek Doubravský und Václav Písecký). Die Ergebnisse seiner langjährigen Tätigkeit als Forscher und Bibliothekar veröff. T. v. a. in Form einer detaillierten paläograph. Beschreibung der latein. und alttschech. Hss. in der Prager National- und Univ.bibl. („Catalogus codicum manu scriptorum latinorum qui in c. r. bibliotheca publica atque universitatis Pragensis asservantur“, 2 Bde. 1905–06; „Katalog českých rukopisů c. k. veřejné a univerzitní knihovny pražské“, 1906) sowie in zahlreichen Quellened. mit textkrit. und philolog. Kommentar in den Z. „Časopis Musea království českého“, „Český časopis historický“, „Listy filologické“, „Věstník ČAVU“, wo er auch seine literaturgeschichtl. Abhh. zur mittelalterl. Literatur publ. Im Streit über die Echtheit der Königinhofer und der Grünberger Hs. stand er als einer der wenigen älteren Philologen auf der Seite der Opponenten. Er äußerte sich dazu im „Archiv für slavische Philologie“ („Anerkannte Falsa der böhmischen Literatur aus der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts“, 1887) und in den „Mitteilungen des Instituts für österreichische Geschichtsforschung“ („Zur Beleuchtung des Handschriftenstreites in Böhmen“, 1888). Für die Ed.reihe „Fontes rerum bohemicarum“ übers. er mehrere hist. Quellentexte ins Tschech. und veröff. im Rahmen seiner bibliothekar. Tätigkeit auch Stud. zum Bibl.wesen sowie Bibliographien (u. a. in „Mitteilungen des Österreichischen Vereines für Bibliothekswesen“, „Osvěta“). T. war ab 1887 o. Mitgl. der Kgl. böhm. Ges. der Wiss., ab 1905 der Böhm. K. Franz Joseph-Akad. der Wiss., Literatur und Kunst in Prag. 1897 Ritter des Franz Joseph-Ordens.


Referenz: ÖBL 1815-1950, Bd. 14 (Lfg. 66, 2015), S. 477f.

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  • geboren in > Talínské Kukle
  • gestorben in > Prag