Thorsch, David

Thorsch David, genannt Eduard T., Bankier. Geb. Prag, Böhmen (Praha, CZ), 16. 12. 1832; gest. Hietzing, NÖ (Wien), 26. 7. 1883; mos.

Sohn des Prager Großkaufmanns Ephraim Markus T. (geb. Prag, 13. 10. 1800; gest. Bubentsch, Böhmen / Praha-Bubenec, CZ, 25. 7. 1863) und der ebenfalls aus einer bekannten Prager Familie stammenden Caroline (Charlotte) T., geb. Kuh (geb. Prag, 14. 5. 1808; gest. ebd., 25. 9. 1836), jüngerer Bruder von →Philipp T., Vater von Alphons(e) T. (s. u.), Neffe von →Koppelmann T.; verheiratet mit Anna T., geb. Berend (geb. Hannover, Kg.reich Hannover/D, 7. 9. 1844; gest. Wien, 27. 2. 1923). – T. erhielt seine kaufmänn. Ausbildung in Prag und trat 1864 in das von seinem Vater sowie seinem Onkel betriebene Bank- und Großhandelsgeschäft ein, das damals zu den größten Zuckerhandelshäusern Europas zählte. Um 1871 übersiedelte T. mit seiner Familie nach Wien und etablierte hier eine Filiale. Bereits nach wenigen Jahren galt das Haus M. Thorsch Söhne, das die Börsenkrise von 1873 unbeschadet überstanden hatte, nach S. M. v. Rothschild als das größte und bedeutendste Privatbankhaus Wiens. Anders als die meisten Wr. Häuser jener Zeit war es bes. international ausgerichtet und nahm im Devisen- und Edelmetallhandel eine überragende Stellung ein. Speziell 1878, als sich Österr. anschickte, neue Silbermünzen prägen zu lassen, war M. T. Söhne an der Silberbeschaffung auf dem Londoner Markt führend beteiligt. 1883 betrug die Bilanzsumme rund 20 Mio. Gulden, T.s Privatvermögen etwa 3,2 Mio. Gulden. Nach seinem frühen Tod wurde das Bankhaus von seinem Bruder geleitet. T.s Sohn


Literatur: NFP, 26. (A.), 27. (Parte), Prager Tagbl., 28. 7. 1883; M. Freudenthal, Leipziger Meßgäste, 1928, S. 194; C. Fürstenberg, Die Lebensgeschichte eines dt. Bankiers 1870–1914, ed. H. Fürstenberg, 1931, S. 83ff.; Jb. der Ges. für Geschichte der Juden in der Cechoslovak. Republik, ed. S. Steinherz, 8, 1936, S. 374; H. Czernin, Die Auslöschung – Der Fall T., 1998 (m. B. von Marie und Alphons(e) T.); H. Treichl, Fast ein Jh., 2003, s. Reg.; S. Lillie, Was einmal war, 2003, s. Reg. (m. B. von Marie und Alphons(e) T.); P. Melichar, Neuordnung im Bankwesen, 2004, S. 415ff.; G. Gaugusch, Wer einmal war A–K, 2011 (s. u. Kuh); R. Sandgruber, Traumzeit für Millionäre, 2013, S. 452f.; Herald. Genealog. Ges. Adler, WStLA, beide Wien; Národní archiv, Praha, CZ; UA, Humboldt-Univ., Berlin, UA Leipzig, beide D (zu Alphons(e) T.); Leo Baeck Inst. New York, NY, USA; Materialiensmlg. Georg Gaugusch, Wien.
Autor: (G. Gaugusch)
Referenz: ÖBL 1815-1950, Bd. 14 (Lfg. 65, 2014), S. 313

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