Töltényi, Szaniszló von

Töltényi Szaniszló (Stanislaus) von, ursprüngl. Schittensam, Mediziner und Schriftsteller. Geb. Veszprim (Veszprém, H), 8. 12. 1795; gest. Graz (Stmk.), 5. 10. 1852.

Sohn des Schneidermeisters Joseph Schittensam. – Nach Besuch des Piaristengymn. stud. T. zunächst Sprachen und Phil. in Steinamanger (Szombathely) und ging dann nach Keszthely, wo er am Georgikon eine landwirtschaftl. Ausbildung erhielt. Danach zog er als Gutsschreiber nach Kiliti bei Siófok, von wo er Ged. und verschiedene Schriften an István Kulcsár, den Red. der Z. „Hasznos mulatságok“, schickte. Dieser berief T. daraufhin 1820 als Hilfsschriftleiter nach Pest (Budapest). In dieser Position hatte T. Gelegenheit, die ung. Schriftsteller der Reformzeit kennenzulernen. Ab 1820 stud. er Med. an der Univ. Pest, ab 1823 an der Univ. Wien; 1825 Dr. med., Mag. obstet. in Pest. Zunächst Ass. an der Klinik für Geburtshilfe in Pest, wurde T. 1827 zum Prof. für allg. Pathol., Therapie und Pharmakol. an der med.-chirurg. Josephsakad. (Josephinum) in Wien ernannt. Dort hielt er med.-hist. Vorträge und befasste sich insbes. mit der Geschichte der Militärmed. sowie der Chirurgie. Nach der Märzrevolution von 1848 trat er in der „Oesterreichischen Medicinischen Wochenschrift“ gegen Zensur und polizeil. Aufsicht ein, forderte die Lehrfreiheit sowie die völlige Autonomie des med. Lehrkörpers. Aufgrund seiner progressiven Ansichten musste er 1848 i. d. R. treten und ging auf Auslandsreisen. Von seinen med.-wiss. Werken verdienen „Versuch einer Kritik der wissenschaftlichen Grundlage der Medizin“, 4 Bde., 1838–40, und „Pathologia et therapia generalis medico-chirurgica …“, 1843, bes. Erwähnung. In seinem Werk über die Pflanzenveredelung „A plántáknak és a gyümölcsöknek virágok által való megnemesítésök módja“ (in: Tudományos gyujtemény 4/5, 1820) vertrat er als Erster die Theorie der geschlechtl. Hybridisierung. Als Gegner der Homöopathie verf. er 1842 den Aufsatz „Das Heilprinzip und die Homöopathie“ (in: Med. Jbb. des k. kgl. österr. Staates 39/NF 30, 1842), gegen den in Fachkreisen heftig polemisiert wurde. Als Reaktion auf die T.’sche Bekämpfung der Homöopathie wurde die Vereinigung der homöopath. Ärzte Österr. gegr. Darüber hinaus befasste sich T. bereits in jungen Jahren mit Literatur und Dichtkunst und entwickelte sich zu einem ausgez. Kenner der Literaturgeschichte. Seine Ged. erschienen vorwiegend im Taschenbuch „Aurora“ (1823–24), er verf. aber auch Sonette und Dramen in ung. Sprache. T. war kgl. Rat und Mitgl. der Ges. der Ärzte in Wien sowie von wiss. Ges. in Padua, Neapel, Berlin, St. Petersburg und Hamburg. 1842 wurde er in den ung. Adelsstand erhoben.


Werke: Weitere W.: s. Szinnyei.
Literatur: Hirsch; Kreuter; Lesky, s. Reg.; M. Életr. Lex.; M. Irodalmi Lex. II; Szinnyei (m. W.); Wurzbach; Új magyar irodalmi lex., 1994; Ch. Lucae, Homöopathie an dt.sprachigen Univ. …, 1998, s. Reg. (m. L.).
Autor: (K. Kapronczay)
Referenz: ÖBL 1815-1950, Bd. 14 (Lfg. 65, 2014), S. 366f.

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  • geboren in > Wesprim
  • gestorben in > Graz