Studniczka, Franz

Studniczka Franz, Archäologe. Geb. Jaslo, Galizien (Polen), 14. 8. 1860; gest. Leipzig, Dt. Reich (Dtld.), 4. 12. 1929; röm.-kath.

Sohn eines Statthaltereirats. – S. lebte ab 1875 in Prag, wo er bereits als Schüler archäolog. Veranstaltungen von Benndorf (s. d.) besuchte. 1879–81 stud. er an der Univ. Prag bei Eugen Petersen, dann in Wien bei Benndorf und O. Hirschfeld (s. d.); 1882 Dr. phil. in Wien mit einer Diss. zur Geschichte der altgriech. Tracht, nahm er auch an der Expedition nach Lykien teil. 1883 legte S. die Lehramtsprüfung für Latein und Griech. in Prag ab, absolv. sein Probejahr jedoch in Wien, wo er gleichzeitig Ass. am archäolog.-epigraph. Seminar der Univ. war und Benndorf sein Interesse an den Denkmälern des provinzialröm. Bereichs weckte. 1885–87 war S. im Rahmen eines Stud.aufenthalts in Griechenland und Italien, 1887 Habil. an der Univ. Wien mit einer Geschichte der archa. Malerei. 1887–88 arbeitete er an der Zusammensetzung des Pergamonaltars in Berlin mit und wurde danach Kustosadjunkt am Kunsthist. Hofmus. in Wien. 1889 ao., 1891 o. Prof. an der Univ. Freiburg, ab 1896 an der Univ. Leipzig, wo er sein bes. Augenmerk auf die Abgußsmlg. legte, die er zu einer der bedeutendsten in Dtld. machte, sich aber auch theoret. mit Rekonstruktionsproblemen befaßte. S., der als Lehrer und Vortragender sehr geschätzt war, versuchte v. a. Wiss. und Öffentlichkeitsarbeit zu verbinden. 1905–10 sowie ab 1914 war er Mitgl. der Zentraldion. des archäolog. Reichsinst., von der er im Herbst/Winter 1920/21 zur Wiedereröffnung der im Krieg geschlossenen Zweigstelle in Athen entsandt wurde, nachdem er bereits 1908 zeitweiliger Leiter des Archäolog. Inst. in Rom gewesen war. S. erhielt zahlreiche Ehrungen, u. a. war er Mitgl. der Sächs. Akad. der Wiss. in Leipzig, 1917 k. M. der Akad. der Wiss. in Wien, 1923 Mitgl. der Accad. dei Lincei, 1924 k. M. der Preuß. Akad. der Wiss.; 1929 emer. S. galt aufgrund seiner Beitrr. zur antiken Kunstgeschichte wie auch zur griech. Porträtforschung, etwa über die Bildnisse von Aristoteles und Menander, als einer der markantesten Vertreter der philolog.-altertumskundl. ausgerichteten Archäol., die jedoch zuletzt als überholt betrachtet wurde. Er führte den Titel Geheimer HR.


Werke: W. (auch s. u. Koch; Rumpf): Kyrene ..., 1890; Tropaeum Traiani, 1904; Das Symposion Ptolemaios II, 1914; Artemis und Iphigenie, 1926; Beitrr. in Leipziger Winckelmannsbll.; etc.
Literatur: Almanach Wien 80, 1930, S. 200ff.; Kosch; L. Curtius, in: Mitt. des Dt. Archaeolog. Inst., röm. Abt. 44, 1929, S. Iff.; H. Koch, in: Sbb. der Philolog.-Hist. Kl. an der Sächs. Akad. der Wiss. in Leipzig 82, 1930, H. 2, S. 1ff. (m. W.); A. Rumpf, in: Jahresber. über die Fortschritte der klass. Altertumswiss. 60, 1934, 4. Abt.: Biograph. Jb. der Altertumskde. 245, 1934, S. 51ff. (m. W.); W. Pinder, Gesammelte Aufsätze, ed. L. Bruhns, 1938, S. 152ff.; R. Heidenreich, in: Bedeutende Gelehrte in Leipzig, ed. M. Steinmetz, 1, 1965, S. 133ff. (m. B.); H. Döhl, in: Archäologenbildnisse, ed. R. Lullies – W. Schiering, 2. Aufl. 1991, bes. S. 138f. (m. B.); UA, Wien; Mitt. Verena Gassner, Wien.
Autor: (E. Lebensaft – Ch. Mentschl)
Referenz: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 62, 2010), S. 440f.

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