Steinwender, Otto

Steinwender Otto, Politiker. Geb. Klagenfurt (Ktn.), 17. 2. 1847; gest. Villach (Ktn.), 20. 3. 1921; röm.-kath.

Sohn eines Finanzbeamten. S. besuchte ab 1857 das Gymn. in seiner Heimatstadt und stud. ab 1865 Latein und Griech. an der Univ. Wien; 1876 Dr. phil. Ab 1870 war S. als Präfekt an der Theresian. Akad. tätig, ab 1874 lehrte er Latein und Griech. als Prof. am Mariahilfer Gymn. in Wien. Als Mitgl. der dt.nationalen Burschenschaft Silesia (ab 1865) sowie des Dt. Ver. in Wien bereits früh polit. aktiv, gehörte er 1880 zu den Gründern des Dt. Schulver. sowie 1882 zu den Mitautoren des dt.nationalen Linzer Programms. 1885 wurde S., dessen polit. Vorbild Bismarck war, in den RR gewählt, wo er sich zunächst dem Dt. Klub anschloß. 1887 übernahm er die Führung der Dt.nationalen Vereinigung, aus der 1896 die Dt. Volkspartei hervorging. S. hatte sich breite Kenntnisse in Finanzfragen erarbeitet, publ. – neben wiss. Abhh. – zahlreiche einschlägige Beitrr. und war lange Zeit Ber.erstatter über den Finanzvorschlag im Abg.haus. Er war Anhänger des österr. Staatsgedankens und bestrebt, sozial- und wirtschaftspolit. Sacharbeit bes. im Hinblick auf die Förderung des Mittelstands zu leisten. Aufgrund seiner gemäßigten Haltung hinsichtl. der Baden. Sprachverordnungen 1897 wurde er 1898 aus der Partei gedrängt und mußte i. d. F. als „wilder“ Abg. agieren. Nach den Wahlen 1907 schloß er sich der Dt. Agrarpartei an und spezialisierte sich auf landwirtschaftl. Fragen. 1909–11 war S. Vizepräs. des Abg.hauses. Seine Versuche, das dt.nationale Lager vor und während des 1. Weltkriegs in einem sog. Nationalverband zusammenzuschließen, scheiterten zuletzt 1918. Ab Ende Oktober dieses Jahres gehörte S. der prov. Nationalversmlg. an und war Staatssekr. für Finanzen. Er bemühte sich v. a., die galoppierende Nachkriegsinflation zu bekämpfen, mußte jedoch den Staatsbedarf durch Ankurbeln der Banknotenpresse finanzieren, wodurch die Inflation weiter angeheizt wurde. Zur Linderung der größten Finanznot nahm er eine Staatsanleihe auf und führte neue Steuern ein. 1919 schied S. aus seinen bundespolit. Funktionen, wurde jedoch in die Ktn. Landesversmlg. gewählt und von dieser 1920 in den Bundesrat entsandt.


Werke: Das Herzogthum Ktn., 1881, 2. überarb. Aufl. 1889; etc.
Literatur: NFP, RP, 21. 3. 1921; Freund, 1907, 1911 (m. B.); P. Molisch, Geschichte der dt.nationalen Bewegung in Oesterr., 1926, s. Reg.; R. Schrimpf, O. S., phil. Diss. Graz, 1946; E. Vanek, Die polit. Tätigkeit des Abg. Dr. O. S., phil. Diss. Wien, 1948; A. Dechel, Das „Linzer Programm“ und seine Autoren, phil. Diss. Salzburg, 1975, passim; L. Höbelt, in: Freie Argumente 16, 1989, F. 1, S. 61ff. (m. B.); ders., in: Neues aus Alt-Villach 26, 1989, S. 97ff. (m. B.); W. Neumann, ebd., S. 109ff. (m. B.); L. Höbelt, O. S., Porträt eines Nationalliberalen (= Personengeschichtl. R. des Freiheitl. Bildungswerkes 1), 1992; W. Fritz, Für Kaiser und Republik, 2004, s. Reg.; M. Wladika, Hitlers Vätergeneration, 2005, s. Reg.; UA, Wien.
Autor: (W. Fritz)
Referenz: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 60, 2008), S. 200f.

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  • geboren in > Klagenfurt
  • gestorben in > Villach