Smoluchowski von Smolan, Marian Wilhelm Teofil Ritter

Smoluchowski von Smolan Marian Wilhelm Teofil, Physiker. Geb. Vorderbrühl (Mödling, NÖ), 28. 5. 1872; gest. Krakau, Galizien (Kraków, Polen), 5. 9. 1917.

– Sohn des 1883 nob. HR der k. Kabinettskanzlei Wilhelm S. v. S. Nach Absolv. des Theresian. Gymn. in Wien stud. S. ab 1890 Physik an der Univ. Wien, v. a. bei Franz Exner (s. d.) und Josef Stefan. Während seines Stud. leistete er 1894/95 seinen Militärdienst als Einjährig-Freiwilliger; 1895 Dr. med. sub auspiciis imperatoris. Im Anschluß daran erfolgten Auslandsaufenthalte 1895/96 in Paris bei Gabriel Lippmann, 1896/97 an der Sorbonne, in Glasgow bei Lord Kelvin und 1897/98 in Berlin bei Emil Warburg. 1898 erhielt S. die Venia legendi für Physik an der Univ. Wien, 1899 an der Univ. Lemberg, wo er i. d. F. als Ass. tätig war. 1900 ao., 1903 o. Prof. für Theoret. Physik an der Univ. Lemberg, konnte er 1905/06 einen Stud.- und Forschungsaufenthalt im Cambridge Cavendish Laboratory (bei Joseph John Thomson) verbringen. 1913 wurde S. o. Prof. für Experimentalphysik an der Univ. Krakau. Bes. Beachtung erlangten seine Arbeiten zur Brownschen Molekularbewegung, basierend auf der kinet. Theorie, die ihn zum Mitbegründer dieser Forschungsrichtung machten, weshalb er auch als geistiger Nachfolger Boltzmanns (s. d.) gilt. Etwa gleichzeitig mit Albert Einstein gelang ihm die statist. Deutung der Brownschen Molekularbewegung, wobei S.s Arbeit tiefgreifender war als jene von Einstein, was dieser – mit S.persönl. bekannt – auch anerkannte. S.s Anschauungen über die Gültigkeitsgrenzen des 2. Hauptsatzes der Thermodynamik sind bis heute wiss. Allgemeingut. Weiters entwickelte er die Koagulationstheorie, große Bedeutung erlangte auch seine Arbeit über die Wahrscheinlichkeitsrechnung. Das Verzeichnis seiner Arbeiten umfaßte 1893– 1918 92 Titel und wurde von der Poln. und der Französ. Akad. der Wiss. gem. veröff., mehrere Arbeiten wurden erst postum publ. S. war zum Zeitpunkt seines Todes außer Turnus gewählter Rektor der Univ. Krakau. Für seine wiss. Leistungen erhielt er 1901 das Ehrendoktorat der Rechte (LLD) in Glasgow, ab 1908 – in diesem Jahr erhielt er auch den Ludwig-Haitinger-Preis der Akad. der Wiss. in Wien – war er k. M. der Akad. der Wiss. und Künste in Krakau, ab 1917 w. M. In seiner frühen Jugend konnte er sich gem. mit seinem Bruder Tadeusz S. v. S. (1868–1936) Verdienste um die Alpinistik erwerben, indem beide v. a. in den Dolomiten einige Erstbegehungen durchführten und damit halfen, neue Wanderrouten zu erschließen.


Werke: W. (auch s. u. Chandrasekhar): Zur Kinet. Energie der Brownschen Molekularbewegung und Suspensionen, in: Annalen der Physik 21, 1906; Drei Vorträge über Diffusion, Brownsche Molekularbewegung und Koagulation von Kolloidteilchen, in: Physikal. Z. 17, 1916; Über den Begriff des Zufalls und den Ursprung der Wahrscheinlichkeitsgesetze in der Physik, in: Die Naturwiss. 6, 1918, H. 17; Pisma, gesammelt und ed. W. Natanson – J. Stock, 3 Bde., 1924–28; etc.
Literatur: NFP, 6., 15., WZ, 6., RP, 11. 9. 1917; Poggendorff 4; PSB (m. L.); A. Einstein, in: Die Naturwiss. 5, 1917, S. 737f.; A. Sommerfeld, in: Physikal. Z. 18, 1917, S. 533ff.; A. Teske, M. S. Leben und Werk, 1977 (m. L.); S. Chandrasekhar u. a., Polish Men of Science: M. S., ed. R. S. Ingarden, 1986 (m. W.); Essays devoted to scientific and didactic work of M. S., ed. B. Sredniawa (= Folia Physica Univ. Iagiellonicae 33), 1991 (m. B.); A. Eibeck – W. Wagner, Stochastic particle approximations for S.’s coagulation equation, 2000; E. Hlawka, in: Sbb. Wien, math.-nat. Kl. 138, 2, 2001, S. 13ff.; A. Kolodko – K. Sabelfeld, Stochastic particle methods for S.’s coagulation equation, 2003; AVA, UA, beide Wien.
Autor: (O. Preining)
Referenz: ÖBL 1815-1950, Bd. 12 (Lfg. 58, 2005), S. 380f.

Links

Download

Lifeline

Orte

  • geboren in > Mödling
  • gestorben in > Krakau