Sitte, Siegfried

Sitte Siegfried, Architekt, Lehrer und Stadtplaner. Geb. Salzburg (Sbg.), 29. 4. 1876; gest. Bad Reichenhall, Dt. Reich (Dtld.), 16. 4. 1945; röm.-kath.

– Enkel von Franz, Sohn von Camillo (beide s. d.), Bruder des Archäologen Heinrich S. (geb. Salzburg, 28. 2. 1879; gest. Innsbruck, Tirol, 8. 11. 1951). Nach Besuch der Gymn. in Kremsmünster und Wien wechselte S. 1892 an die Staatsgewerbeschule in Wien 1 (1895 Matura), erlernte in dieser Zeit auch das Maurerhandwerk und war i. d. F. zwei Jahre in der Dombauhütte zu St. Stephan in Wien tätig; 1897–1900 stud. er Architektur an der Wr. ABK und belegte als ao. Hörer Vorlesungen an der Univ. Wien und der TH. S., der ab 1895 im Atelier seines Vaters arbeitete, unterrichtete ab 1899 an der Staatsgewerbeschule in Wien 1, 1915–36 als Prof.; ab 1926 Zivilarchitekt. Vorerst v. a. mit internationalen städtebaul. Planungen (u. a. Wettbewerb für Göteborg, 1901, Hälsingborg, 1905, Groß-Berlin, 1909) befaßt, wurde er 1908 in die Zentralstelle für Wohnungsreform berufen und wandte sich nun verstärkt der Problematik der Wohnungsnot und deren Behebung zu. Seine Überlegungen zu einer zeitgemäßen Bodenreform und zur Förderung des Wohnungsbaus mit Vorschlägen zur Reform der Bauordnungen in Österr. und zu einem Städtebaugesetz publ. S. v. a. in der Schriftenr. des Bundes österr. Bodenreformer, an dessen Spitze er 1923–39 stand. Bes. in seinem Hauptwerk, „Das Wirtschaftsbild“, 1940, versuchte S., Lösungen für Fragen der Wohnbaufinanzierung und für Standortprobleme der gewerbl.-industriellen Wirtschaft zu finden. So forderte er den Ersatz produktionshemmender Steuern (auf Arbeit und Kapital, Umsatzsteuern) durch die Einführung einer nach dem echten Bodenwert errechneten Abgabe, womit unwirtschaftl. Standorte durch die damit verbundene Kostensenkung für den Wohnungs- und Betriebsstättenbau wirtschaftl. nutzbar gemacht werden könnten. S. stand gedankl. in der Tradition des dt. Bodenreformers Adolf Damaschke, v. a. aber in der des Amerikaners Henry George, wenngleich seine Überlegungen von deren Auffassungen in wesentl. Punkten abweichen.


Werke: s. Kat. des Nachlaßwerkes der Architekten Franz S., Camillo S., S. S., 2 Bde., 1979; Das Wirtschaftsbild, s. u.
Literatur: Die Presse, 25. 4. 1956; J. Schneider, in: Die Warte, 22. 1. 1949; J. Schwarzl, in: Z. des Österr. Ing.- und Architekten-Ver. 94, 1949, S. 49ff. (m. B.); F. Stokreiter, in: Architekt, 1976, H. 2; G. R. Collins – Ch. Crasemann Collins, Camillo S. and the birth of modern city planning (= Rizzoli essays on architecture 1), 1986, s. Reg.; R. Wurzer, in: Berr. zur Raumforschung und Raumplanung 33, 1989, H. 3–5; F. Stokreiter, in: S. S., Das Wirtschaftsbild (= Beitrr. zu Städtebau und Raumplanung 24), 1997, S. IIIff.; ders., in: Wohnbauforschung in Österr. 42, 1997, S. 34f.; Sitte-Archiv am Inst. für Städtebau und Raumplanung, TU, Wien; Pfarramt Unken, Sbg.; Mitt. Franz Stokreiter, Wien.
Autor: (Ch. Gruber – E. Schmalhofer)
Referenz: ÖBL 1815-1950, Bd. 12 (Lfg. 57, 2004), S. 310f.

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  • geboren in > Salzburg
  • gestorben in > Bad Reichenhall