Schürmayer, Ignaz Heinrich

Schürmayer Ignaz Heinrich, Mediziner. Geb. Freiburg, Vorderösterr. (Freiburg i. Breisgau, Deutschland), 4. 2. 1802 (Taufdatum); gest. ebenda, 24. 5. 1881.

Sohn eines Hufschmieds, späteren Tierarztes. Stud. nach dem Besuch der Normalschule und des Gymn. zu Freiburg ab 1817 Med. an der Univ. Freiburg, legte 1824 das Examen ab und wurde 1830 zum Dr. med. prom. Schon nach dem Examen als prakt. Arzt in Renchen tätig, wurde er 1829 zum Landchirurgen im Großherzogl. Oberamt Emmendingen bestellt, 1836 Physikus des Amtes Bonndorf, kehrte aber schon ein Jahr später in dieser Funktion ins Amt Emmendingen zurück. Seit 1847 zugleich als Medizinalreferent beim Hofgericht des Oberrheinkr. in Freiburg tätig, verließ er 1848 als entschiedener Anhänger des bad. Fürstenhauses und exponierter Gegner der Revolution kurzfristig den Breisgau. Im Folgejahr wurde er – mit Übernahme des Medizinalreferats am Hofgericht des Unterrheinkr. in Mannheim – als o. Prof. für Gerichtsmed. (Staatsarzneikde.) an die Univ. Heidelberg berufen. Schon 1850 ließ er sich jedoch in seine früheren Funktionen am Oberamt Emmendingen und am Hofgericht in Freiburg zurückversetzen. 1872 i. R., lebte und praktizierte er bis zu seinem Tod in Freiburg. S. initiierte 1833 die Einrichtung des Leopold-Sophien-Hospitals zu Emmendingen, machte sich als Gründer und beständiger Sekretär des Ver. Bad. Medizinalbeamter zur Beförderung der Staatsarzneikde. ab 1837 sowie als Mitbegründer des Publ.Organs der Staatsarzneikde. verdient und erwarb sich durch seine bedeutenden, mehrfach in fremde Sprachen übers. Veröff. auf dem Gebiet der forens. Med. früh einen hervorragenden Ruf. Mitgl. zahlreicher gel. Ges. und als Wissenschaftler vielfach geehrt, u. a. Geh. HR, fand er darüber hinaus in der Bürgerschaft breite Anerkennung als praktizierender Arzt. Zudem regte er in Emmendingen die Abhaltung kath. Gottesdienste an, war um den Bau einer Kirche mit Schule sowie Pfarrhaus bemüht und gilt daher als Begründer der dortigen kath. Gmd.


Werke: Über den Bau und die Verrichtung der serösen Häute. Als Einleitung zur Lehre von den Krankheiten der Pleura …, 1830 (Diss.); Die Krankheiten der Pleura 1, 1830; Ueber die Erkenntniß und Kur des Milzbrandes der landwirthschaftl. Hausthiere, 1831; Anweisung zur sichern Heilung der Knochenbrüche des Ober- und Unterschenkels …, 1833; Die Kunstfehler der Medizinalpersonen in strafrechtl., gerichtl.-med. und med.-polizeil. Beziehung, 1838; Einige Worte über die Bildung der Staatsärzte und insbes. der Gerichtsärzte, 1845; Gerichtl.-med. Klinik …, 1846; Pract. Hdb. der niederen oder hilfl. Chirurgie, 1847; Hdb. der med. Policei, 1848, 2. Aufl. 1856; (Theoret.-pract.) Lehrbuch der gerichtl. Med., 1850, 4. Aufl. 1874; zahlreiche Abhh. in Annalen der Staatsarzneikde. usw. Mithrsg.: Annalen der (gesammten) Staatsarzneikde. (ab 1847: [Vereinte] dt. Z. für die Staats-Arzneikde.), 1836–72.
Literatur: Hirsch; A. C. P. Callisen, Med. Schriftsteller-Lex. … 32, 1844; Dictionnaire encyclopédique des sciences médicales, red. von A. Dechambre, Ser. 3, 7, 1879; Bad. Biographien, hrsg. von F. v. Weech, 4, 1881; D. Drüll, Heidelberger Gelehrtenlex. 1803–1932, 1986; A. Kreuter, Deutschsprachige Neurologen und Psychiater 3, 1996; Stadtarchiv, UA, beide Freiburg i. Breisgau, Gen.LA Karlsruhe, alle Deutschland.
Autor: (H. Schadek)
Referenz: ÖBL 1815-1950, Bd. 11 (Lfg. 53, 1998), S. 296

Links

Download

Lifeline

Orte

  • geboren in > Freiburg im Breisgau
  • gestorben in > Freiburg im Breisgau