Schönburg-Hartenstein, Alexander Fürst von

Schönburg-Hartenstein (Josef) Alexander Fürst von, Diplomat, Politiker und Gutsbesitzer. Geb. Wien, 5. 3. 1826; gest. ebenda, 1. 10. 1896.

Sohn von Eduard Fürst von S.-H. (s. u.) und dessen zweiter Frau Aloisia, geb. Prinzessin Schwarzenberg; verehel. mit Karoline, geb. Prinzessin Liechtenstein, Vater des Folgenden und von Johannes Prinz von S.-H. (s. d.). S. begann seine Karriere im diplomat. Dienst 1847 als Attaché im Haag (Den Haag), war dann 1849 in London, ab 1850 in Berlin, wo er 1851 zum Hon.-Legationssekretär ernannt wurde, und ab 1852 in Paris tätig. Anfang 1855 kam er zunächst als w. Legationssekretär nach Karlsruhe, wurde jedoch schon wenige Monate später – auch im Zusammenhang mit seiner bevorstehenden Vermählung – zum Gesandten befördert. 1859–63 leitete er die Gesandtschaft in München. Ende 1863 trat er auf eigenen Wunsch in Disponibilität und zog sich auf seine böhm. und mähr. Güter zurück. 1872–82 gehörte er dem böhm. Landtag an und war 1881/82 Obmann des Klubs des Verfassungstreuen Großgrundbesitzes. Nach dem Tod seines Vaters, 1872, erbte er dessen Sitz im Herrenhaus und begann eine vielfältige polit. Tätigkeit für die Partei der Verfassungstreuen. 1879 wurde er zum Vizepräs. des Herrenhauses gewählt und blieb dies bis zu seinem Tod. Daneben war er neunmal Mitgl. der Delegation, 1891 Präs. der 27. Delegation. S., eine der wichtigsten Kontaktpersonen zwischen den Verfassungstreuen und der Regierung bzw. dem Hof, regte 1889 die böhm. Ausgleichsverhh. an, an denen er auch selbst teilnahm. Die Unterzeichnung des Verh.Ergebnisses („Wr. Punktationen“) im Jänner 1890 stellte den Höhepunkt seiner polit. Laufbahn dar. Für seine Bemühungen in der Ausgleichsfrage wurde er mit dem Großkreuz des Leopold-Ordens ausgez., daneben war er u. a. ab 1869 Geh. Rat, ab 1878 Ritter des Ordens vom Goldenen Vließ. S. engagierte sich auch in kulturellen Belangen, u. a. war er Mitgl. österr. Kunstver. und stiftete Kunstpreise. S.s Vater (Heinrich) Eduard Fürst v. S.-H. (geb. Waldenburg, Sachsen/Deutschland, 11. 10. 1787; gest. Wien, 16. 11. 1872) war ebenfalls Politiker und Besitzer mehrerer Herrschaften in Böhmen und Mähren. Er begründete die standesherrl.-fürstl. Linie S.-H. in Österr. und baute den Familiengrundbesitz in Böhmen systemat. aus. 1835 Geh. Rat. Ab 1861 erbl. Mitgl. des Herrenhauses sowie 1867–69 böhm Landtagsabg., gehörte auch er der Partei der Verfassungstreuen an. 1867 wurde er Ritter des Ordens vom Goldenen Vließ. 1853–60 war er Präs. der Ges. der Musikfreunde in Wien. Seine zweite Frau Aloisia unterhielt in den 40er Jahren den exklusivsten Salon des Hochadels in Wien.


Literatur: Bohemia, Fremden-Bl., N. Fr. Pr. und NWT, 2., Sbg. Tagbl., 5. 10. 1896; Czedik 1, s. Reg.; Hahn, 1873, 1879, 1885, 1891; Otto 8; Wurzbach (s. u. Schönburg-Waldenburg Otto Victor Fürst); Das Parlament. Die polit. Persönlichkeiten Österr.-Ungarns in Wort und Bild, 21. Lfg., hrsg. von A. Eckstein, 1880 (mit Bild); H. Heller, Mährens Männer der Gegenwart 1, 1885, S. 60, 4, 1890, S. 142; G. Kolmer, Parlament und Verfassung in Österr. 3, 1905, 4, 1907, 5, 1909, s. Reg.; E. Plener, Erinnerungen 2, 1921, s. Reg.; W. A. Jenks, Austria under the Iron-Ring 1879–93, 1965, s. Reg.; E. Matsch, Der Auswärtige Dienst von Österr. (-Ungarn) 1720–1920, 1986, S. 109f.; E. Rutkowski, Briefe und Dokumente zur Geschichte der österr.-ung. Monarchie … 1 (= Veröff. des Collegium Carolinum 51/1), 1983, s. Reg.; Biograph. Smlg., Collegium Carolinum, München, Deutschland; HHStA, Wien. – (Heinrich) Eduard S.-H.: Hahn, 1867; Wurzbach (s. u. Schönburg-Waldenburg Otto Victor Fürst); R. v. Perger – R. Hirschfeld, Geschichte der k. k. Ges. der Musikfreunde in Wien, 1912, S. 82ff., 279 (s. S.-H. Eduard); Biograph. Smlg. Collegium Carolinum, München, Deutschland.
Autor: (R. Luft)
Referenz: ÖBL 1815-1950, Bd. 11 (Lfg. 51, 1995), S. 60f.

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