Pohler, Amand

Pohler Amand, Ps. Augustus, Schauspieler, Regisseur und Schriftsteller. * Wien, 24. 1. 1852 (?); † Wien, 11. 12. 1903.

Sohn eines Apothekers; trat, ohne vorher Schauspielunterricht erhalten zu haben, an Bühnen in Linz, Marburg a. d. Drau (Maribor), Esseg (Osijek), Lübeck, Preßburg (Bratislava), Reichenberg (Liberec), Karlsbad (Karlovy Vary) etc. auf. Seine künstler. Individualität entfaltete er bes. am Stadttheater in Brünn/Brno (1886–1898), einerseits als überaus geschätzter Darsteller von Charakter- und humorist. Väterrollen, anderseits als Regisseur mit stark ausgeprägtem künstler. Verantwortungsgefühl. 1898 von A. Müller-Guttenbrunn (s. Müller A.) nach Wien an das neugegründete K. Jubiläums-Stadttheater engagiert, wurde P. durch seinen trockenen, jeder Übertreibung abgeneigten Humor und durch seine Fähigkeit der Menschengestaltung auch dort bald zu einem der beliebtesten Schauspieler des Ensembles, daneben zu dem wohl bedeutendsten Mitarbeiter Müller-Guttenbrunns, dessen Intentionen er als Regisseur (ab 1901 Oberregisseur) weitgehend verwirklichen konnte. Seine Inszenierungen, deren bes. Stärke in der Gliederung und Durcharbeitung von Massenszenen lag, wahrten hist. Treue und die Atmosphäre des Stücks. P. war auch als Schriftsteller, bes. als Feuilletonist tätig, wobei sich bes. seine humorvollen, anregenden Wochenplaudereien im „Tagesboten aus Mähren und Schlesien“ (ab 1886) großer Beliebtheit erfreuten.


Werke: Hauptrollen: Odoardo Galotti (G. E. Lessing, Emilia Galotti); Miller (F. v. Schiller, Kabale und Liebe); Caliban (W. Shakespeare, Der Sturm); Falstaff (ders., Kg. Heinrich IV.); Argan (Molière, Der eingebildete Kranke); Meister Anton (F. Hebbel, Maria Magdalene); Dr. Crusius (O. Blumenthal – J. Kadelburg, Die Großstadtluft); Vetter (L. Anzengruber, Der Pfarrer von Kirchfeld); etc. Inszenierungen: L. Anzengruber, Der G’wissenswurm; F. Grillparzer, Weh dem, der lügt; K. Gründorf, Die sieben Todsünden der Wr.; W. Madjera, Konrad Vorlauf; W. Shakespeare, Der Widerspenstigen Zähmung; O. Will, Rothkäppchen; etc. – Publ.: Rund um den Spielberg (Feuilletons), 1898; Gedichte; Gelegenheitsdichtungen; zahlreiche Beitrr. in Ztg., u. a. in Tagesbote aus Mähren und Schlesien, Dt. Volksbl., Neues Wr. Journal etc.
Literatur: Fremden-Bl. (Abendausg.), N. Fr. Pr. (Abendausg.), Neues Wr. Tagbl. (Abendausg.), Tagesbote aus Mähren und Schlesien (Abendausg.) und Wr. Ztg. (Abendausg.) vom 11. 12., Neues Wr. Journal und RP vom 12. 12., Mähr. Volksbote vom 18. 12. 1903; Neuer Theater-Almanach 16, 1905, S. 173 f.; Brümmer; Eisenberg; Giebisch–Gugitz; Kosch; Kosch, Theaterlex.; Kosel; G. Bondi, 25 Jahre Eigenregie. Geschichte des Brünner Stadttheaters 1882–1907, 1907, s. Reg.; A. Müller-Guttenbrunn, Erinnerungen eines Theaterdir., hrsg. von R. Meinhart, 1924, S. 90, 103, 106 f., 150 ff., 199 f.; A. Gerstner, A. Müller-Guttenbrunns Bemühungen als Theaterdir., phil. Diss. Wien, 1946, S. 131 f.; Mitt. Ch. Gugg, Wien.
Autor: (E. Lebensaft)
Referenz: ÖBL 1815-1950, Bd. 8 (Lfg. 37, 1980), S. 157f.

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