Masaidek, Franz Friedrich

Masaidek Franz Friedrich, Ps. Argus, Schriftsteller und Journalist. * Wien, 4. 10. 1840; † Wien, 6. 4. 1911.

Als Sohn eines Kürschners erlernte M. dieses Handwerk und führte 1861–64 das väterliche Geschäft, war daneben jedoch bereits früh schriftsteller. tätig und schrieb ab 1858 humorist. Feuilletons für die „Wiener Vorstadt-Zeitung“, den „Wanderer“, die „Ostdeutsche Rundschau“ etc. Ab 1862 durch Jahrzehnte einer der Hauptmitarbeiter des Witzbl. „Figaro“, schuf er dafür eine Reihe sehr populärer Gestalten, wie den Wenzel des Herrn Oberleutnant, den Bankier Moriz Feiglstock beim Frühstück, den Bedienten des Herrn Hofrat, in denen er durch ihre räsonierende Stellungnahme zu aktuellen Fragen typ. Zeiterscheinungen, etwa militär. Kommißgeist, jüd. Spekulationssucht und reaktionären Bürokratismus geißelte. 1866 war M. Red. des während der Kriegszeit erscheinenden illustrierten Wochenbl. „Die Sturmglocke“, später auch Mitarbeiter und Chefred. des „Kikeriki“ sowie Feuilletonist der „Deutschen Zeitung“, er schrieb Kalendergeschichten für verschiedene Almanache („Lahrer Hinkender Bote“, „Wiener Almanach“ etc.) und war zehn Jahre Mitarbeiter Büchmanns. Von März bis Juni 1900 verfaßte er für die „Wiener Neuesten Nachrichten“ unter dem Titel „Wiener Gasflammen“ aphorist. Glossen, 1904 war er Mitarbeiter des bald wieder eingestellten Witzbl. „Der liebe Augustin“, 1908 der Münchner „Fliegenden Blätter“. M.s Fähigkeit zu pointiert zugespitzter, treffender Aussage zeigt sich auch in einer Reihe geflügelter Worte, wie „Der große Krach“, „Revolverjournalist“ etc., jedoch machte sich in seinen durch scharfen Witz und treffende Satire ausgezeichneten Schriften, besonders über Wr. Mißstände, eine zunehmend antisemit. Tendenz bemerkbar, die auch sein polit. Wirken immer stärker bestimmte. Schon in den 60er Jahren radikaler Versammlungsredner, gründete er 1882 gem. mit Schönerer u. a. den Deutsch-nationalen Ver., dem er bis zu dessen behördlicher Auflösung 1889 auch als Vorstandsmitgl. angehörte, und stand später Lueger (s. d.) nahe. Krank und verbittert bezog er in den letzten Jahren seines Lebens eine Ehrengabe des Wr. Gemeinderates.


Literatur: Dt. Ztg. vom 27. 6. 1907; Fremden-Bl., N. Wr. Tagbl., Österr. Volks-Ztg. und Wr. Ztg. vom 7. 4. 1911; Brümmer; Eisenberg, 1893, Bd. 1; Giebisch–Gugitz; Giebisch–Pichler–Vancsa; Kosel; Kosch; Kürschner, 1884–1912; Nagl–Zeidler–Castle, Bd. 3–4, s. Reg.; W. Kosch, Biograph. Staatshdb., Bd. 2, 1963; Kosch, Das kath. Deutschland; Wer ist’s? 1905–1911; G. Gerstbauer, Die Wr. Montagspresse 1863–1938, phil. Diss. Wien, 1949, S. 184; E. Scheidl, Die humorist.-satir. Presse in Wien von den Anfängen bis 1918 und die öff. Meinung, phil. Diss. Wien, 1950, S. 137, 139, 166, 192.
Referenz: ÖBL 1815-1950, Bd. 6 (Lfg. 27, 1974), S. 123

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  • geboren in > Wien
  • gestorben in > Wien

Institutionen

  • war Journalist > Wiener Stadt- und Vorstadt-Zeitung (1858)
  • war Journalist > Der Wanderer (1858)
  • war Journalist > Ostdeutsche Rundschau
  • war Journalist > Figaro. Humoristisches Wochenblatt (1862)
  • war Redakteur > Die Sturmglocke (1866-1866)
  • war Chefredakteur > Kikeriki. Humoristisches Volksblatt
  • war Journalist > Deutsche Zeitung (Wien)
  • war Mitarbeiter von > Wiener Almanach
  • war Mitarbeiter von > Lahrer Hinkender Bote
  • war Journalist > Wiener Neueste Nachrichten (1894-1919)
  • war Journalist > Der liebe Augustin (1904-1904)
  • war Journalist > Fliegende Blätter (1908-1908)
  • war Mitbegründer von > Deutschnationaler Verein (1882)
  • war Vorstandsmitglied > Deutschnationaler Verein (1882-1889)