Mánes, Josef

Mánes Josef, Maler. * Prag, 12. 5. 1820; † Prag, 9. 12. 1871.

Sohn des Vorigen, Bruder des Folgenden und der Malerin Amalie M.-ová (s. d.), Neffe des Malers Václav M. (s. d.); erhielt den ersten Unterricht von seinem Vater. Ab 1835 stud. er an der Prager Akad. bei Tkadlík und Ruben, 1844–46 in München. 1846 und 1854 machte er lange Studienreisen durch Böhmen, Mähren, Schlesien und die Slowakei. 1867 nahm er an einer Fahrt zur volkskundlichen Ausst. in Moskau teil, 1870 reiste er nach Rom. M., aktiv an der Gründung des ersten tschech. Künstlerver. „Jednota výtvorných umelcu“ (1848) beteiligt, war ab 1848 eine der zentralen Gestalten des tschech. kulturellen Lebens in Prag. Sein Schaffen geht von der Familientradition aus. Der Einfluß, den Tkadlík an der Akad. auf ihn ausübte, kennzeichnete sein Schaffen durch Lyrik und durch das Gefühl für einen großzügigen Aufbau der Komposition, prägnant in der Form, linear klar. Die dt. Romantiker beeindruckten ihn nur flüchtig. Im Revolutionsjahr 1848 hatte sich M.’ nationales Bewußtsein völlig entfaltet, was seinem Schaffen, welches er in den Dienst der nationalen Wiedergeburt stellte, neuen Sinn gab. 1849 porträtierte er in Kremsier während des Reichstags die tschech. Politiker; bald danach folgte die zweite Reise M.’ durch Mähren, in die Slowakei und nach Schlesien. Im Sinne Rousseaus wandte sich M. dem Volke zu, als der Quelle des nationalen Aufklärungsbestrebens. Dieser Überzeugung gab er in den volkskundlichen Stud., in der monumentalen Gestaltung der Monatsscheibe für das Horologium am Altstädter Rathaus in Prag und in den Illustrationen zu Volksliedern sowie in den Illustrationen der Königinhofer Handschrift Ausdruck. In der Landschaftsmalerei knüpfte M. unmittelbar an die Ausdrucksweise seines Vaters an. Gesinnungsmäßig zielte er zur Darstellung der Landschaft als Schauplatz des nationalen Mythos hin. Ein wichtiger Abschnitt in seinem Schaffen sind die durch das zweite Rokoko bedingten, kolorist. hervorragenden Werke meistens vom Beginn der 50er Jahre. Beide Stilrichtungen, die vor allem das Schaffen M.’ kennzeichnen, Romantik und Realismus, vereinte er zu einer klass. Form.


Literatur: Rocenka Kruhu pro pestování dejin umení za r. 1928, 1929; Umení 6, 1933, S. 431, 9, 1936, S. 233, 10, 1937, S. 79, 11, 1938, S. 197; Dílo 34, 1945/46; K. B. Mádl, J. M., jeho život a dílo (J. M., Leben und Werk), 1901–05; J. Pecírka, J. M. – živý pramen národní tradice (J. M., eine lebendige Quelle der nationalen Tradition), 1939; K. Chytil, J. M. a jeho rod (J. M. und sein Geschlecht), 1934; J. Loriš – A. Matejcek – F. Žákavec, Dílo Josefa Mánesa (J. M.’ Werk), 4 Bde., 1920–40; A. Matejcek, Mánesovy ilustrace (M., Illustrationen), 1952; J. Loriš, Mánesovy podobizny (J. M.’ Porträts), 1954; Toman; Bénézit; Müller–Singer; Nagler; Thieme–Becker; Wurzbach; ADB; Komenského slovník naucný 7, 1938; Masaryk; Otto 16; Rieger; V. Volavka, Ceská kresba XIX. století (Die tschech. Zeichnung des 19. Jh.), 1949; ders., Malírství devatenáctého století (Die Malerei des 19. Jh.), 1941; Ceskoslovenská vlastiveda (Tschechoslowak. Heimatkde.) 8, 1935; Prehled ceskoslovenských dejin (Überblick über die tschechoslowak. Geschichte) 2, 1960; J. Kotalík, J. M., Katalog výstavy (J. M., Ausstellungskatalog), Prag 1971.
Referenz: ÖBL 1815-1950, Bd. 6 (Lfg. 26, 1973), S. 50f.
geboren in Prag
gestorben in Prag

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