Kolisch, Sigmund

Kolisch Sigmund, Schriftsteller. * Koritschan (Korycany, Mähren), 21. 9. 1816; † Göding (Hodonín, Mähren), 27. 12. 1886.

Kam in seiner Jugend nach Wien und widmete sich hier philolog., hist. und ästhet. Stud.; als Mitarbeiter bei verschiedenen Z. und als Mithrsg. des Bl. „Der Radikale“ nahm er eine scharfe revolutionäre Haltung ein. Wegen diffamierender Äußerungen zunächst von einem Preßgericht, später militärgerichtlich verurteilt, flüchtete er mit seinem Freund M. Hartmann (s. d.) im Herbst 1848 über Breslau nach Leipzig, wurde jedoch von dort wegen unbefugten Aufenthaltes 1849 ausgewiesen. K. ging dann über Jena nach Weimar und von dort — mit Empfehlungen F. Liszts — nach Paris, wo er – unterstützt von Freunden und bei französ. und dt. Ztg. beschäftigt — lebte. Seine Kritiken der französ. Zustände verursachten ihm jedoch auch hier Ungelegenheiten. 1867 amnestiert, kehrte er 1868 nach Wien zurück und betätigte sich hauptsächlich als Feuilletonist und Theaterkritiker für die „Neue Freie Presse“. Ab 1875 lebte K. dauernd in Göding. Seine Schriften sind besonders hinsichtlich der erzählenden Prosa, trotz mancher Breite der Darstellung, treffend und lebendig gestaltet. Seine Formbegabung kommt auch in seinen dramat. Arbeiten zur Geltung. In seinen nichtpolem. Gedankengängen sind gegenständliche und einsichtsreiche Bekenntnisse zu zeitlosen menschlichen Werten enthalten.


Literatur: N. Fr. Pr. vom 29. 12. 1886; Österr. Soldatenfreund, 1848, n. 26, Beilage („Presseprozeß“); O. Donath, S. K.s Leben und Wirken, in: Programm der Landes-Oberrealschule in Göding, 1912; Giebisch–Pichler–Vancsa; Kosch; Nagl–Zeidler–Castle 3, S. 510 f., S. 762; Wurzbach; Wininger.
Referenz: ÖBL 1815-1950, Bd. 4 (Lfg. 16, 1966), S. 82

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  • geboren in > Koryčany
  • gestorben in > Hodonín