Kolletschka, Jakob

Kolletschka Jakob, Pathologe. * Biela (Belá, Böhmen), 4. 7. 1803; † Wien, 13. 3. 1847.

Stud. Med. an der Univ. Wien, 1836 Dr.med.; 1830–40 arbeitete er mit kurzen Unterbrechungen an der unter Rokitanskys Leitung stehenden patholog.-anatom. Lehranstalt im Allg. Krankenhaus in Wien. Ab 1837 hielt er bereits regelmäßig Privatkurse über patholog. Anatomie, die sich eines großen Zulaufes erfreuten und in denen K. ein glänzendes Lehrtalent entwickelte. 1840–43 war er als Primararzt am Filialspital der Barmherzigen Schwestern in der Leopoldstadt tätig. 1843–47 Prof. der Staatsarzneikde. und medizin. Polizei an der Univ. Wien. In seiner gem. mit Skoda verfaßten Arbeit „Über Pericarditis“ wurde das Ergebnis der Leichenuntersuchung bei dieser Affektion mit den Beobachtungen am Krankenbette in einer bis dahin noch unerreichten Weise in Zusammenhang gebracht und das Wesen der patholog.-anatom. Diagnose ersichtlich gemacht. Übrigens blieb diese meisterhafte Arbeit außer seiner Diss. die einzige größere literar. Leistung K.s, der mehr durch das lebendige Wort und die Tat als durch die Schrift wirkte. Durch die Art seiner Todeskrankheit – er starb an einer Leichenvergiftung — fand sein Name Eingang in die medizingeschichtliche Literatur, da I. Semmelweis später K.s Obduktionsprotokollen die entscheidende Bedeutung für das Erkennen der Ursache des Kindbettfiebers zuschrieb.


Literatur: Wr. Ztg. vom 18. 3. 1847; Vierteljahrs, für die prakt. Heilkde., Jg. 5, 1848, Bd. 2, S. 132; Neuer Nekrolog der Dt., Jg. 25, 1847, S. 206; Hirsch; Pagel; Lesky, s. Reg.; Wurzbach.
Referenz: ÖBL 1815-1950, Bd. 4 (Lfg. 16, 1966), S. 90
geboren in Deutsch Biela
gestorben in Wien

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