Fleischhacker, Robert von

Fleischhacker Robert von, Paläontologe, Anglist und Politiker. Geb. Graz (Steiermark), 9. 11. 1855; gest. ebd., 31. 8. 1937; röm.-kath.

Sohn des Oberstabsarztes und Sanitätschefs Viktor von Fleischhacker und von Ferdinande von Fleischhacker, geb. Zwiedineck-Südenhorst. – Nach Besuch von Gymnasien in Klagenfurt und Salzburg maturierte F. am Zweiten Staatsgymnasium in Graz und studierte 1872–74 Medizin sowie ab 1876 Naturwissenschaften, vor allem Paläontologie bei →Karl Ferdinand Peters und →Rudolf Hoernes an der dortigen Universität; 1878 Dr. phil. Nach der Promotion war er 1878 vorübergehend an der Geologischen Reichsanstalt in Wien als Volontär tätig. Ab dem Wintersemester 1882 folgte F. seiner Sprachenbegabung und studierte zunächst bis 1884 Neuere Philologie an der Universität Wien, 1884/85 an der deutschen Universität Prag; 1885 Lehramtsprüfung für Gymnasien und Realschulen aus Französisch und Englisch in Prag. 1885–87 vertiefte er seine Kenntnisse in Berlin, später in London, wo er auf dem Gebiet der bis dahin kaum erforschten medizinischen und naturkundlichen Schriften der frühen Zeit Englands arbeitete sowie am British Museum an unterschiedlich alten Handschriften sprachkundliche Quellenforschungen betrieb; Ergebnisse dieser Studien fanden Eingang in das „New English Dictionary“. Nach einer Studienreise auf den Peloponnes kehrte er 1890 nach Graz zurück. Dort engagierte sich F. für die 1896 gegründete Deutsche Volkspartei und setzte sich besonders für die Armenfürsorge ein, 1912–14 amtierte er als Bürgermeister. Ab 1922 hielt er Vorlesungen und Seminare an der Universität Graz. Erst 1923 habilitierte er sich für Englische Sprache und Literatur, 1928 wurde ihm der Titel eines ao. Prof. zuerkannt. Daneben fungierte F. als Lektor an der Technischen Hochschule. Ab 1934 mit gesundheitlichen Problemen kämpfend, trat er 1936 in den Ruhestand. In seinen frühen wissenschaftlichen Arbeiten standen geologisch-paläontologische Forschungen im Vordergrund, später beschäftigte sich F. fast ausschließlich mit sprachwissenschaftlichen Fragestellungen. In seinem Beitrag „Ein altenglischer Lapidar“ (in: Zeitschrift für deutsches Altertum und Literatur 34, 1890) erbrachte er den Nachweis, dass diese Schrift keine Originalhandschrift des Tiberius ist, sondern eine Kompilation von Texten verschiedener Autoren des Altertums (Beda, Plinius, Solinus) darstellt. Erwähnenswert ist auch seine Bearbeitung von „Lanfrank’s Science of Chirurgie“, 1894. F. war Mitglied der Philological Society in London sowie der Early English Text Society.


Literatur: H. Zapfe, Catalogus Fossilium Austriae 15a, 1987; 100 Jahre Anglistik an der Universität Graz, ed. A. Fill – A. Kernbauer, 1993, S. 108ff.; Kunst und Geisteswissenschaften aus Graz, ed. K. Acham, 2009, S. 484; UA, Graz, Steiermark.
Referenz: ÖBL Online-Edition, Bd. (Lfg. 3, 2014)

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