Adler, Emma

Adler Emma, geb. Braun, Ps. Marion Lorm, Schriftstellerin und Übersetzerin. Geb. Debreczin (Debrecen, H), 20. 5. 1858; gest. Zürich (CH), 23. 2. 1935; mos.

Tochter eines Eisenbahningenieurs, der mit seiner Familie Anfang der 1860er-Jahre nach Wien zog; Schwester der Sozialdemokraten Heinrich Braun und Adolf Braun, seit 1878 mit →Viktor Adler verheiratet, Mutter von Friedrich Adler. – A. wurde mit ihren fünf Brüdern von einem Hauslehrer erzogen. Von den sozialdemokratischen Ideen ihres Mannes begeistert, engagierte sie sich in der Arbeiterbewegung und erteilte in Abendkursen im Arbeiterbildungsverein Gumpendorf Unterricht in Englisch und Französisch. A.s erste eigene Publikation befasste sich mit „Goethe und Frau von Stein“ (1887). Ihr Interesse für die Erziehungsarbeit schlug sich in drei weiteren Publikationen nieder: 1895 war sie Herausgeberin des „Buches der Jugend für die Kinder des Proletariats“, 1902 erschien „Feierabend: ein Buch für die Jugend“ und 1912 ihr „Neues Buch der Jugend“. 1909–17 redigierte sie die Jugendbeilage der „Arbeiterinnen-Zeitung“. Auch als Übersetzerin tätig, übertrug A. 1896 den sozialhistorischen Roman „Germinie Lacerteux“ der Brüder Edmond und Jules de Goncourt und 1897 (unter dem Pseudonym Marion Lorm) Turgenjews „Gnadenbrot“ ins Deutsche sowie Artikel aus dem Englischen und Italienischen. Politisches schrieb sie kaum – ein sozialkritischer Beitrag zum „Bauerndasein“ im Arbeiterkalender 1898 bildet die Ausnahme. A.s literarisches Hauptwerk stammte aus dem Jahr 1906, „Die berühmten Frauen der französischen Revolution“, 1907 folgte „Jane Welsh Carlyle. Eine Biographie“ über die Ehefrau des Goethe-Forschers Thomas Carlyle (Neuaufl. 1996). Als versierte Köchin verfasste sie 1915 auch eine „Kochschule“. Immer wieder verfiel A. in schwere Depressionen: Die bedrohliche finanzielle Lage, in die die junge Familie geraten war, sowie die Hausdurchsuchungen und die Verhaftungen Viktor Adlers führten 1890 zu einem Zusammenbruch, von dem A. sich nur langsam erholte. 1897 erkrankte ihre Tochter Marie, die gegen den Willen A.s in die Heil- und Pflegeanstalt Am Steinhof gebracht wurde, wo sie 1931 verstarb; 1916 tötete ihr Sohn Friedrich den Ministerpräsidenten →Karl Gf. Stürgkh, wurde zuerst zum Tode, dann zu lebenslanger Haft verurteilt, 1918 jedoch amnestiert. Nach dem Tod Viktor Adlers 1918 verhinderte Friedrich Adler zwei Selbstmordversuche seiner Mutter. 1925 folgte A. ihrem Sohn nach Zürich, wo sie im Alter von 73 Jahren wieder sehr aktiv wurde: Sie übernahm Übersetzungsarbeiten, lernte Maschinschreiben, verfasste ihre – bislang unveröffentlichten – Lebenserinnerungen und stellte den Band „Victor Adler im Spiegel seiner Zeitgenossen“ zusammen, der erst posthum 1968 erschien.


Literatur: AZ, 20. 5. 1928, 16. 5. 1948; Hdb. jüd. AutorInnen; Kosch; F. Adler, E. A. zum Gedächtnis, in: V. Adler im Spiegel seiner Zeitgenossen, ed. W. Lanzer – E. K. Herlitzka, 1968, S. 13–17.; A. Magaziner, E. A. – V. Adlers Lebensgefährtin, in: Rentner und Pensionist 12, 1985, S. 15; F. Kreuzer, Was wir ersehnen von der Zukunft Fernen. Der Ursprung der österreichischen Arbeiterbewegung. Das Zeitalter V. Adlers, 1988, s. Reg. (m. B.); Lexikon deutsch-jüdischer Autoren 1, 1992 (m. W.); S. Böck, Entfernung von der bürgerlichen Welt. E. und V. Adler, in: L'Homme. Zeitschrift für Feministische Geschichtswissenschaft 7, 1996, H. 1, S. 90–96; E. A., in: Verein für Geschichte der Arbeiterbewegung, Dokumentation 2, 1996 (m. B.); R. Wagner, Heimat bist du großer Töchter, 1996, S. 108–112 (m. B.); A. M. Lauritsch, „Nichts ist schwerer, als die Frau eines berühmten Mannes zu sein“ – Zu Leben und Wirken von E. A. und H. Bauer, in: Zions Töchter. Jüdische Frauen in Literatur, Kunst und Politik, ed. A. M. Lauritsch, 2006, S. 370–385; http://www.onb.ac.at/ariadne/vfb/bio–adleremma.htm (Zugriff 23. 8. 2010); http://www.dasrotewien.at/online/page.php?P=10922 (Zugriff 23. 8. 2010); IKG, WStLA, beide Wien; Mitteilung Michaela Maier, Wien.
Referenz: ÖBL Online-Edition, Bd. (Lfg. 1, 2011)

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