Trevisanato, Giuseppe Luigi

Trevisanato Giuseppe Luigi, Patriarch. Geb. Venedig, Venetien (Venezia, I), 15. 2. 1801; gest. ebd., 28. 4. 1877 (auf der Friedhofsinsel San Michele beigesetzt, 1957 in den Markusdom überführt); röm.-kath.

Stammte aus einer verarmten venezian. Familie. – T. absolv. das Priesterseminar und unterrichtete bereits vor seiner Ordination am Gymn. Ab 1824 lehrte er am Konvikt von Santa Caterina, später war er im Seminar Doz. für Griech., Hebr. und Bibelauslegung. 1841 wurde er Kanoniker von San Marco. Im Revolutionsjahr 1848/49 vermied er ein polit. Engagement. Seiner distanziert österreichfreundl. Haltung verdankte er 1852 die Ernennung zunächst zum Bischof von Verona, dann zum Erzbischof von Udine und im April 1862 schließl. zum Patriarchen von Venedig, ein Amt, das er erst nach einigem Zögern annahm. Das Bistum galt als altehrwürdig, war aber aufgrund fehlender Einnahmen ökonom. schlechtgestellt. Im Frühjahr 1863 wurde er nach österr. Interventionen zum Kardinal ernannt. Davon erhoffte sich die Wr. Regierung eine bessere außenpolit. Positionierung als kath. Macht gegenüber Frankreich sowie einen innenpolit. Prestigegewinn bei der Bevölkerung Venetiens. T., gebildet und bescheiden, war aber in antiösterr. Kreisen unbeliebt, da er sich nicht offen gegen die österr. Verwaltung stellte und als unpolit. galt. Er widmete sich v. a. der sozialen Problematik und engagierte sich in der Armenfürsorge. 1865 berief er eine Diözesansynode ein, die Maßnahmen gegen Gotteslästerung und unflätige Reden sowie eine Reform des Religionsunterrichts beschloss. Auf der Synode verurteilte er auch ungerechtfertigte Profite und rief zur Bildung von Hilfswerken für die Armen auf. Nach der Angliederung Venedigs an Italien wurde ein Großtl. der Kirchengüter verstaatlicht, wodurch sich die finanziellen Schwierigkeiten der Diözese noch verschärften, T. seine Residenz verlor und Zuflucht im Priesterseminar suchen musste. Wiss. beschäftigte er sich mit Orientalistik und mit dem Judentum, ihn verband auch eine enge Freundschaft mit dem venezian. Rabb. Er unterstützte die kath. Publizistik und 1867 die Gründung der ersten kath. Ztg. Venetiens „Il Veneto cattolico“. 1870 nahm er am 1. Vatikan. Konzil teil und gehörte dort, im Gegensatz zu den Vertretern der Habsburgermonarchie, der Mehrheit der Infallibilisten an und befürwortete somit die Annahme des Dogmas von der päpstl. Unfehlbarkeit. Er starb wenige Wochen vor der von ihm organisierten Diözesanpilgerreise nach Rom zum 30-jährigen Regierungsjubiläum Pius’ IX.


Referenz: ÖBL 1815-1950, Bd. 14 (Lfg. 66, 2015), S. 461

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