Táncsics, Mihály

Táncsics Mihály, bis 1847 Stancsics Mihajlo, Ps. Andorlaki Máté, Egy rab, Tüskevári, Politiker, Schriftsteller und Journalist. Geb. Ácsteszér (H), 21. oder 29. 4. 1799; gest. Budapest (H), 28. 6. 1884.

Ab 1838 verehel. mit Teréz T., geb. Seidel, der Tochter eines Stiefelmachers. – Nach Absolv. einer Weberlehre in Steinamanger (Szombathely) aus der Erbuntertänigkeit entlassen, besuchte T. ab 1818 die Präparandenanstalt in Ofen (Buda), 1823–26 die Gymn. in Kecskemét, Neutra (Nitra) und bei den Piaristen in Pest (Budapest). Ab 1828 stud. er Rechtswiss. in Pest, brach das Stud. jedoch ab und arbeitete als Erzieher bei diversen Magnatenfamilien. 1833 verf. er das Konversationsbuch „Magyar és német beszélgetések s nyelvgyakorlatok“, das aber wegen der darin geäußerten Feudalismuskritik ebenso der Zensur zum Opfer fiel wie der Tendenzroman „Pazardi“ (1833), in dem er den Lebensstil der Aristokratie und die Ungleichbehandlung von Juden kritisierte. Als Journalist und Autor plädierte T. anfangs für das liberale Programm der polit. Umgestaltung, wurde jedoch bald ein Anhänger der Reformopposition, was sich in seiner Flugschrift „Sajtószabadságról nézetei egy rabnak“ (1844, dt. „Ansichten eines Gefangenen über Preßfreiheit“, 1848) manifestierte. Schließl. distanzierte er sich aber auch von dieser polit. Richtung und forderte in seinen Schriften „Népkönyv“ (1846, dt. „Volksbuch“, 1847) und „Hunnia függetlensége“ (1847) die Beseitigung aller feudalen Strukturen sowie die Einführung des allg. Wahlrechts. T.’ Interesse an frühsozialist. Ideen sowie die Erlebnisse einer Westeuropareise (1846) schlugen sich in utop. Schriften über eine klassenlose kommunist. Ges. nieder („Józanész“, 1848; „Nép szava, isten szava“, 1848). 1847 wegen Pressevergehens verurteilt, wurde er im März 1848 von den Revolutionären aus dem Gefängnis in Ofen befreit und fungierte 1848–49 als Abg. im ung. LT. Sein von ihm im April 1848 ins Leben gerufene polit. Volksbl. „Munkások Újsága“, das sich für die Interessen der Arbeiter und Bauern einsetzte, wurde noch im Dezember desselben Jahres verboten. Nach Niederschlagung der Revolution lebte T. jahrelang in einem Kellerversteck, wurde in Abwesenheit zum Tode verurteilt, 1851 in effigie gehängt, 1856 verhaftet, 1857 amnestiert. In den 1850er-Jahren entwarf er u. a. den Plan zu einer mitteleurop. Völkerkonföderation und protestierte weiterhin vehement gegen die neoabsolutist. Herrschaft, bis er wegen Mitwirkung an einer antihabsburg. Demonstration im März 1860 und Verbreitung polit. Flugschriften zu 15 Jahren Haft verurteilt wurde. 1867, der Erblindung nahe, wurde T. entlassen und wirkte 1869–72 als Abg. im ung. RT sowie 1869–70 als Vors. des Arbeiterver. Általános Munkásegylet. Nach 1872 zog er sich aus dem polit. Leben zurück. In zunehmender Isolation und Armut vollendete er seine Autobiographie und bereitete die Gesamtausg. seiner Werke („Muvei“, 12 Bde., 1873–85) vor.


Werke: Weitere W. (s. auch Új magyar életrajzi lex.): Természet, 1838 (gem. m. E. Kunoss); Közlemények az élet és tudományok körébol, 1841 (gem. m. M. Kovacsóczy); Arany Trombita, 1869; Der Bund der sieben Nationalitäten, in: Option Europa. Dt., poln. und ung. Europapläne des 19. und 20. Jh., ed. W. Borodziej, 3, 2005; etc.
Literatur: Biograph. Lex. Südosteuropas; Das geistige Ungarn; Enc. Slovenska; Habsburgermonarchie 8/2, s. Reg.; M. Életr. Lex. (m. B.); M. Irodalmi Lex. II (m. B.); Szinnyei (m. L.); Wurzbach; M. Révész, T. M. és kora 1799–1857, 1942; S. Lestyán, Az ismeretlen T., 1945; Gy. Bölöni, Hallja kend T., 1946; E. Hermann, in: Stud. zur Geschichte der dt.-ung. literar. Beziehungen, ed. L. Magon, 1969, S. 214ff.; Új magyar irodalmi lex. 3, 2. Aufl. 2000; Új magyar életrajzi lex. 6, 2007 (m. W. u. L.).
Autor: (Á. Z. Bernád)
Referenz: ÖBL 1815-1950, Bd. 14 (Lfg. 64, 2013), S. 193
geboren in Ácsteszér
gestorben in Budapest
publizierte in Budapest
war Mitarbeiter von Munkások Újsága

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