Steiner, Gabor

Steiner Gabor (Christian), Theaterdirektor, Regisseur, Theater- und Konzertagent. Geb. Temeswar, Ungarn (Timisoara, Rumänien), 2. 4. (28. 5.) 1858; gest. Los Angeles, Cal. (USA), 9. 9. 1944; mos., ab 1894 evang. AB.

Sohn des Theaterdir. Maximilian S., Bruder von Franz S. (beide s. d.). 1862 kam S. mit seinen Eltern nach Wien, wo er die evang. Volksschule und das Untergymn. am Akadem. Gymn. besuchte. Neben seiner Tätigkeit bei einer Wr. Tuchfa. absolv. er eine Schauspielausbildung am Fürstl. Sulkowskischen Privat-Theater, an dem er 1873 debüt. Ab 1877 half er seinem Vater, später seinem Bruder in der Dion. des Theaters an der Wien. Es folgten Stationen als Dir. und Oberregisseur des Residenz-Theaters in Hannover (1883/84), als Bürochef bei Franz S. am Residenz-Theater in Dresden (1884/85) sowie als Regisseur, artist. Sekr. und 1886/87 als artist. Leiter am Wr. Carltheater. 1887–90 führte er eine Theater- und Konzertagentur in Wien, der ein „Verlag dramatischer Werke“ angeschlossen war. An der Internationalen Ausst. für Musik und Theaterwesen im Wr. Prater 1892 war S. als künstler. Leiter der Hanswurst-Bühne und als Sekr. des Ausst.theaters beteiligt. 1895 pachtete er einen Tl. des Praters, den sog. Engl. Garten, und errichtete dort unter Mitarb. des Architekten O. Marmorek (s. d.) nach Londoner und Berliner Vorbild den groß angelegten Vergnügungspark Venedig in Wien. Geboten wurden hier neben Gondelfahrten u. a. Theater, Kabarett, Varieté und ein buntes musikal. Programm, für das S. Komponisten und Dirigenten wie Lehár (s. d.), Richard Strauss, Carl Michael Ziehrer u. a. gewinnen konnte. 1897 ließ er auf dem Gelände das Riesenrad errichten. 1900–07 leitete S. Danzers Orpheum, das er als Winterspielstätte von Venedig in Wien nutzte. An beiden Orten wurde v. a. die Wr. Operette gepflegt. 1909–12 war er auch Dir. des Ronacher. Nach dem finanziellen Zusammenbruch von Venedig in Wien ging S. verschiedenen Tätigkeiten in London, Interlaken und New York nach. 1923/24 betrieb er in Wien den Gabor-S.-Verlag. Nach der Emigration in die USA 1938 lebte er bei seinem Sohn Max(imilian Raoul) S. (geb. Wien, 10. 5. 1888; gest. Los Angeles, 28. 12. 1971; mos., ab 1894 evang. AB). Dieser hatte u. a. als Arrangeur und Kapellmeister am New Yorker Broadway gearbeitet, bevor er führender Filmkomponist in Hollywood wurde. Der dreifache Oscar-Preisträger schrieb die Musik zu rund 350 Filmen, darunter die Welterfolge „Gone with the Wind“ (1939) und „Casablanca“ (1942).


Werke: Als Wien frohe Feste feierte …, in: Illustrierte Wochenpost, 14. 11. 1930–30. 1. 1931 (Memoiren, m. B.); etc.
Literatur: (tw. auch für Max S.): The New York Times, 10. 9. 1944; Czeike (m. B.); Die Fackel, s. Reg.; Grove, 2001 (für Max S.); Kosch, Theaterlex.; MGG (für Max S.); oeml; Ulrich; P. Schoenwald, in: Wr. Geschichtsbll. 42, 1987, S. 108f. (m. B.); F. Hadamowsky, Wien. Theatergeschichte, Stud.ausg., 1994, s. Reg.; N. Rubey – P. Schoenwald, Venedig in Wien, 1996, s. Reg. (m. B.); K. Weniger, Das große Personenlex. des Films 7, 2001 (für Max S., m. W.); A. L. Staudacher, Jüd.-protestant. Konvertiten in Wien 1782–1914, 2, 2004, S. 698f.; R. Ulrich, Österreicher in Hollywood, 2004 (m. B. u. W.) (für Max S.); Illustriertes Österr.-Ung. Ehrenbuch, o. J.; IKG, Wien.
Autor: (N. Rubey)
Referenz: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 60, 2008), S. 169f.
geboren in Temeswar
gestorben in Los Angeles

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