Steiner, Hanna

Steiner Hanna (Johannah, Hannah), geb. Dub, Sozialarbeiterin, Journalistin und Zionistin. Geb. Böhm. Leipa, Böhmen (Ceská Lípa, Tschechien), 27. 4. 1894; gest. KZ Auschwitz, Dt. Reich (Polen), 27. 10. 1944 (ermordet); mos.

Ab 1920 verehel. mit dem Gymn.lehrer Ludwig S. S. absolv. einen Tl. ihrer Schulausbildung vor dem 1. Weltkrieg in England, stud. Klavier an der St. Paul’s School in London und erhielt einen Preis als Klaviervirtuosin. Nach ihrer Rückkehr in die Heimat organisierte S., die sich bereits in England der zionist. Bewegung angeschlossen hatte, die zionist. Ortsgruppe in Ceská Lípa, ehe sie nach Praha übersiedelte. 1925 besuchte sie die Weltkonferenz der Women’s International Zionist Organisation (WIZO) am Rande des 14. Zionistenkongresses in Wien, worauf sie die tschechoslowak. Landesorganisation der WIZO in Praha gründete und deren Präs. wurde. Unter ihrer Führung wurde diese Landesorganisation mit rund 12.000 Mitgl. in 104 Ortsgruppen zu einer der bestorganisierten innerhalb der WIZO. I. d. F. wurde S. auch Vorstandsmitgl. der Weltorganisation der WIZO und Anhängerin der von dem zionist. Politiker und Rechtsanwalt Emil Margulies 1927 gegr. Jüd. Partei. Ab Februar 1925 red. sie (ab 1927 gem. mit Miriam Scheuer) die „Blätter für die jüdische Frau“, eine Beilage der zionist. Wochenz. „Selbstwehr“, die auch im dt.sprachigen Ausland viel gelesen wurde. Gem. mit Schmolka (s. d.) engagierte sich S. ab 1933 in einem Hilfskomitee für die Flüchtlinge aus dem nationalsozialist. Dtld. und ab 1934 gem. mit Margulies und dem zionist. Funktionär Jakob Edelstein in einem Komitee für die Juden in Karpatho-Rußland. Im März 1939, am Tag nach dem dt. Einmarsch in Praha, wurde S. verhaftet, jedoch nach drei Wochen wieder freigelassen. Sie leitete bis 1943 die Emigrationsabt. der Jüd. Kultusgmd. Das Ehepaar S. lehnte legale und illegale Möglichkeiten zur Flucht nach Palästina mehrfach ab, während ihrem Sohn Adolf und ihrer Tochter Emmy die Flucht dorthin gelang. Im Juli 1943 wurde S. in das KZ Theresienstadt deportiert. Sie organisierte dort Hebräischkurse, einen WIZO-Kreis sowie Vorträge. Im Oktober 1944 wurde sie in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert und dort, wie auch ihr Gatte, ermordet.


Literatur: Enc. Jud.; Hdb. österr. AutorInnen; F. Ullmann, in: Die Stimme, 1954, Nr. 88, S. 8; F. Grove-Pollak, The Saga of a movement, WIZO 1920–70, 1970, S. 234ff.; I. Polak, in: The Jews of Czechoslovakia 2, 1971, S. 137ff.; R. Bondy, „Elder of the Jews“. J. Edelstein of Theresienstadt, 1989, S. 57, 123, 166, 367; R. M. Wlaschek, Biographia Judaica Bohemiae 1 (= Veröff. der Forschungsstelle Ostmitteleuropa an der Univ. Dortmund, R. B, 52), 1995; E. Makarova u. a., Univ. Over The Abyss, 2000, S. 449; A. Jaeger, in: Aschkenas 15, 2005, H. 1, S. 168f.
Autor: (E. Adunka)
Referenz: ÖBL 1815-1950, Bd. 13 (Lfg. 60, 2008), S. 170f.

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