Schwarzenberg, Johann Adolf II. Fürst zu

—enberg Johann Adolf II. Fürst zu Schwarzenberg (Primogenitur), Großgrundbesitzer. Geb. Wien, 22. 5. 1799; gest. Frauenberg, Böhmen (Hluboká nad Vltavou, Tschechien), 15. 9. 1888.

Ältester Sohn von Josef II., Bruder von Felix und Friedrich, Vater von Adolf Josef (alle s. d.), ab 1830 verehel. mit Prinzessin Eleonore v. Liechtenstein (geb. Wien, 26. 12. 1812; gest. Wittingau, Böhmen / Trebon, Tschechien, 27. 7. 1873). Nach sorgfältiger, an seiner späteren Aufgabe als Agrarfachmann ausgerichteter Erziehung begab sich S. 1825 nach England, wo er moderne Wirtschaftsformen und Produktionsmethoden kennenlernte. 1833 übernahm er die Leitung der Primogenitur. Wie sein Vater verzichtete S. zunächst auf öff. Wirken, versah allerdings gelegentl. polit.-diplomat. Ehrenmissionen, etwa als österr. Sonderbotschafter bei der Krönung Kgn. Victorias 1837. Vom romant. Zeitgeist beeinflußt, begann S. 1840 den Umbau des Schlosses Frauenberg nach engl. Vorbild im neugot. Stil. Als Mitgl. einer Deputation des böhm. Landtags nahm S. 1845 in Wien an den Beratungen über den zwischen Regierung und böhm. Ständen ausgebrochenen Verfassungskonflikt teil. S. arrangierte sich mit den polit., wirtschaftl. und sozialen Konsequenzen der Revolution; die Grundentlastung vollzog sich auf seinen flächenmäßig nunmehr stark geschrumpften Gütern weitgehend problemlos. 1861 erbl. Herrenhausmitgl., fungierte S. 1861–67 zugleich als Mitgl. des böhm. Landtags, wo er – anders als sein Sohn Adolf Josef – gemäßigt-konservative, am Kompromiß mit den zumeist liberalen Dt.Böhmen orientierte Positionen vertrat. S.s Wirken war aber v. a. in ökonom. Hinsicht von Bedeutung; er sorgte für die Modernisierung sowohl der Land- und Forstwirtschaft auf seinen Besitzungen als auch des Fabriks- oder des Brauereiwesens, etwa durch die Zusammenlegung kleinerer Gutsbrauereien. Auch auf dem Gebiet des Verkehrswesens war S. innovativ. So war er maßgebl. am Bau der für Südböhmen wirtschaftl. wichtigen Franz-Josefs-Bahn beteiligt, förderte aber auch das Eisenbahnprojekt Leoben – Udine. In zahlreichen ökonom. Institutionen und Organisationen führend vertreten, war er u. a. Mitbegründer und erster Präs. der Österr. Kreditanstalt (1855). Er engagierte sich auch in schul. Belangen, errichtete in Wittingau und Krumau (Ceský Krumlov) Mädchenschulen und zählte zu den Gründern der Landwirtschaftl. Akad. Tetschen-Liebwerd. Ebenso war S. als Präs. des Allg. Witwen- und Waisenpensionsinst. sowie des Invalidenfonds karitativ in führender Position tätig.


Literatur: Wurzbach; A. F. Berger, Felix Fürst zu S., 1853; G. Krafft, Ein Großgrundbesitz der Gegenwart. Monograph. Skizze der Besitzungen des Fürstenhauses S., 1872; F. Blaschko, in: Schwarzenberg. Jb. 29, 1950, S. 40ff.; Fürst K. zu Schwarzenberg, Geschichte des reichsständ. Hauses S. (= Bibl. familiengeschichtl. Arbeiten 30), 1963, s. Reg. (mit Bild); H. Stekl, Österreichs Aristokratie im Vormärz, 1973, s. Reg.; S. Lippert, Felix Fürst zu S. (= Hist. Mitt., Beih. 21), 1998, s. Reg.; J. Záloha, Kurzgefaßte Geschichte des Geschlechtes der Fürsten zu S., o. J.; AVA, HHStA, beide Wien.
Autor: (S. Lippert)
Referenz: ÖBL 1815-1950, Bd. 12 (Lfg. 55, 2001), S. 21f.

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  • geboren in > Wien
  • gestorben in > Hluboká nad Vltavou