Schrötter, Hugo

Schrötter Hugo (Johann Karl), Chemiker. Geb. Olmütz, Mähren (Olomouc, Tschechien), 11. 9. 1856; gest. Graz (Stmk.), 7. 7. 1911.

Sohn eines Apothekers, Großneffe des Anton S. v. Kristelli, Neffe von Alfred und Leopold S. v. K. (alle s. d.). Stud. ab 1875 Pharmazie sowie Naturwiss., bes. Chemie, an der Univ. Wien. 1878 Mag. pharm., setzte er seine chem. Stud. zuerst in Wien fort, 1879–80 bei August Kekulé in Bonn, dann wieder in Wien, und wurde 1882 an der Univ. Halle zum Dr. phil. prom. Angebl. schon 1881 Ass. an der Univ. Erlangen, 1882 in Halle, war er 1882–84 Privatass. Kekulés in Bonn. 1884 kam er an das Laboratorium Pebals (s. d.) nach Graz, wo er sich 1885 für Organ. Chemie habil., 1892 Tit. ao. Prof. für Chemie mit Lehrauftrag für Pharmazeut. Chemie, 1904 ao. Prof. wurde, 1906/07 gem. mit Kremann (s. d.) die Lehrkanzel für Chemie suppl. und 1907 den Titel eines o. Prof. erhielt. Wiss. beschäftigte sich S. anfangs, v. a. 1883, mit Untersuchungen zur Stützung von Kekulés tw. angezweifelter Benzolformel und wies die nahe Verbindung des Morphins zur Schwefelsäure nach. In Graz widmete er sich v. a. für Pflanzen- sowie Tierphysiol. bedeutsamen Untersuchungen, so den Eiweißkörpern, Schleim- und Zuckersäuren sowie dem Cholesterin. Das Schwergewicht seiner Arbeit lag jedoch auf seiner Lehrtätigkeit, die er trotz eines mehrjährigen schweren Leidens bis zuletzt ausübte. Anerkennung fand er in Vorschlägen als Ordinarius für Chemie an die Hochschule für Bodenkultur in Wien sowie an die Univ. Lemberg 1906, die er aus gesundheitl. Gründen ablehnte. Rein auf Organ. Chemie ausgerichtet, zeigte er eine Spezialisierung auf Pharmazeut. Chemie, die den Beginn der eigenständigen Entwicklung dieses Faches, das er als erster an der Univ. Graz vertrat, darstellt.


Werke: W. (s. u. bei Kernbauer): Umwandlung von Propylbromid in Isopropylbromid, gem. mit A. Kekulé, in: Berr. der Dt. chem. Ges. 12, 1879; Destillation des Camphers über Zinkstaub, ebenda, 13, 1880; Über die Oxydation von Essigsäure-Borneoläther, in: Monatshe. für Chemie … 2, 1881; Zur Kenntnis des Morphins, gem. mit E. v. Gerichten, in: Annalen der Chemie 210, 1882; Ueber Morphin und Codeïn, gem. mit E. v. Gerichten, in: Berr. der Dt. chem. Ges. 15, 1882; Beitrr. zur Kenntnis des Camphers und seiner Derivate, 1882 (Diss.); Über die Einwirkung von verdünnten Mineralsäuren auf Zuckersäure, in: Monatshe. für Chemie 9, 1889; Ueber Aether der Eiweisskörper, in: Berr. der Dt. chem. Ges. 22, 1889; Beitrr. zur Kenntnis der Albumosen 1–4, in: Monatshe. für Chemie 14, 16–17, 19, 1894–96, 1898; Über das Cholesterin, ebenda, 24, 1904; Über das Phenylhydrazon der Salicylsäure, gem. mit J. Flooh, ebenda, 28, 1908;Über die Zusammengehörigkeit des Cholesterins und der Cholalsäure mit dem Kampfer und dem Terpentinöl, gem. mit R. Weitzenböck, ebenda, 29, 1909 und in: Sbb. Wien, math.-nat. Kl. 117, Abt. 2b, 1908, auch selbständig; Über die Natur und die Konstitution der Rhizocholsäure, gem. mit R. Weitzenböck, in: Monatshe. für Chemie 29, 1909 und in: Sbb. Wien, math.-nat. Kl. 117, Abt. 2b, 1908, auch selbständig; Beitrr. zur Kenntnis des Cholesterins und der Cholalsäure und über ein gem. Abbauprodukt ders., gem. mit dems. und R. Witt, in: Monatshe. für Chemie 29, 1909 und in: Sbb. Wien, math.-nat. Kl. 117, Abt. 2b, 1908; usw.
Literatur: E. Philippi, in: Biograph. Jb. 16, 1914, S. 136ff., Sp. 70 (Totenliste); Poggendorff 3–5; Berr. der Dt. chem. Ges. 44/2, 1911, S. 2270; R. Kremann, Dem Andenken H. S.s, in: Oesterr. Chemiker-Ztg. 14, 1911, S. 186f., auch selbständig; F. Kordon, in: Pharmazeut. Post 69, 1936, S. 150f.; Dt. Apotheker-Biographie, hrsg. von W.-H. Hein und H.-D. Schwarz, 2 (= Veröff. der Internationalen Ges. für Geschichte der Pharmazie, NF 46/2), 1978; H. Wittmann – E. Ziegler, Die Entwicklung der chem. Wiss. an der Univ. Graz 1850–1982 (= Publ. aus dem Archiv der Univ. Graz 16), 1985, s. Reg., bes. S. 54ff.; A. Kernbauer, Das Fach Chemie an der Phil. Fak. der Univ. Graz (= ebenda, 17), 1985, s. Reg., bes. S. 16Off., 799f. (mit Bild und Werksverzeichnis); UA Graz, Stmk.; UA Bonn, UA Erlangen, beide Deutschland.
Autor: (A. Kernbauer)
Referenz: ÖBL 1815-1950, Bd. 11 (Lfg. 53, 1998), S. 244f.
geboren in Olmütz
gestorben in Graz

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