Schmidt, Eduard Johann

— Eduard Johann Schmidt, Künstlername Decarli, Sänger. Geb. Olmütz, Mähren (Olomouc, Tschechoslowakei), 9. 1. 1846; gest. Radebeul, Sachsen (Deutschland), 23. 10. 1903.

Sohn eines Kassiers der städt. Hauptkassa von Olmütz, Vater des Schauspielers Bruno (Eduard) Decarli (s. unten); stud. nach Besuch der Realschule 1864/65 am Polytechn. Inst. in Wien (Techn. Abt.), wandte sich aber der Sängerlaufbahn zu und ließ seine Stimme an der Wr. Hofopernschule, dann bei Alexander Arlet ausbilden. 1868 debüt. er am Stadttheater in Frankfurt a. Main und kam über Augsburg und Laibach (Ljubljana) 1869 ans Hoftheater in Braunschweig, 1872 in der Nachfolge Scarias (s. d.) als Erster seriöser Baß ans Dresdner Hoftheater; 1902 i. R. S. wurde in Dresden zu einem der geschätztesten Repertoiresänger, von außerordentlicher Vielseitigkeit, sowohl im seriösen als auch im Buffofach, das seinen schauspieler. Fähigkeiten (er konnte auch im Sprechtheater eingesetzt werden) bes. entgegenkam. Von seinen Rollen sind u. a. Sarastro (Mozart, „Die Zauberflöte“), Rocco (Beethoven, „Fidelio“), Marcel (Meyerbeer, „Die Hugenotten“), Hunding (Wagner, „Die Walküre“) bzw. Figaro (Mozart, „Die Hochzeit des Figaro“), Falstaff (Nicolai, „Die lustigen Weiber von Windsor“) und van Bett (Lortzing, „Zar und Zimmermann“) zu erwähnen. Sein Sohn Bruno (Eduard) Decarli (geb. Dresden ?, Sachsen/Deutschland, ca. 1877; gest. Tiverton, England, 30. 3. 1950) ist als Schauspieler ab 1895 am Meininger Hoftheater, dann an Theatern in Zürich, Gera und Stettin nachweisbar. 1900 debüt. er am Dresdner Hoftheater, 1901 wurde er als jugendlicher Held an dieses Theater engagiert, dem er bis 1907, dann wieder – nach Stationen an Theatern in Berlin und Leipzig – 1923–44 angehörte. Zu seinem Repertoire gehörten u. a. die Titelrollen in Ludwig Fuldas „Herostrat“ (Antrittsrolle in Dresden) und Karl Gutzkows „Uriel Acosta“ sowie der Robespierre in Büchners „Dantons Tod“, aber auch Faust und Tell. Wuchtige Kraft der Sprache und der Darstellung werden an seinem Spiel hervorgehoben. 1924 war Decarli bei der Dresdner Erstauff. von Ernst Tollers „Hinkemann“ Mittelpunkt eines von rechtsradikalen Kreisen inszenierten Theaterskandals.


Literatur: (unter Decarli): Dresdener Nachrichten vom 23. 10., Dresdener Rundschau vom 14. 11. 1903 (mit Bild); Tagebuch der kgl. sächs. Hoftheater 87, 1903, S. 107 ff.; Neuer Theater-Almanach 16, 1905, 8. 169 f.; Biograph. Jb. 8, 1905, Sp. 23 (Totenliste); Eisenberg, Bühnenlex.; Kosch, Theaterlex.; Ulrich, Theater, Tanz und Musik . . . 2, (1985); A. Kohut, Das Dresdner Hoftheater in der Gegenwart, 1888, S. 285 f.; dt. Theaterlex., hrsg. von A. Oppenheim und E. Gettke, 1889; O. G. Flüggen, Biograph. Bühnenlex. der dt. Theater, 1892; B. Wildberg, Das Dresdner Hoftheater in der Gegenwart, 1902, S. 152; K. J. Kutsch – L. Riemens, Großes Sängerlex. 2, (1987), Erg.Bd., (1991); Archiv der Techn. Univ. Wien; Mitt. C. Höslinger, Wien – Bruno Decarli: E. Weiser, in: Die Weltbühne 20, 1924, S. 270; Kosch, Theaterlex.; F. Kummer, Dresden und seine Theaterwelt, 1938, s. Reg.; 300 Jahre Dresdner Staatstheater, red. von W. Höntsch und U. Püschel, 1967, S. 103 ff.; Mid Devon District Council, Tiverton, England.
Autor: (E. Lebensaft – H. Reitterer)
Referenz: ÖBL 1815-1950, Bd. 10 (Lfg. 48, 1992), S. 250f.

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  • geboren in > Olmütz
  • gestorben in > Radebeul