Schmitt, Franz von

Schmitt von (Schmidt), —Franz Industrieller. Geb. Braunau, Böhmen (Broumov, Tschechoslowakei), 24. 7. 1816; gest. Böhm.-Aicha, Böhmen (Ceský Dub, Tschechoslowakei), 25. 4. 1883.

Sohn eines Beamten; stud. am Prager Polytechnikum 1833–34 allg., 1834–35 techn. Chemie und erwarb Erfahrung in der Fabrikation und Druckerei von Schafwollwaren durch prakt. Arbeit in Fabriken, so bei Johann Liebieg & Co. in Reichenberg (Liberec) oder Blaschka & Co. in Liebenau (Hodkovice nad Mohelkou). 1843 heiratete S. in erster Ehe Hedwig Unger, die Tochter des Inhabers der Glasexportfa. F. Unger & Co., und gründete im selben Jahr den Betrieb zur Fabrikation und Druckerei von Schafwollwaren in Böhm.-Aicha. Nach anfänglichen Schwierigkeiten florierte der Betrieb und S. beschäftigte Ende der 40er Jahre an den mehr als 400 mechan. Webstühlen, in der Appretur, der Färberei und der Druckerei bereits rund 2.000 Arbeiter sowie zahlreiche Handweber außer Haus. Da in der Druckerei noch Handarbeit vorherrschte, wurde in der Fabrik eine Maschine mit Reliefdruck entwickelt, die selbständig in einem Gang acht Farben drucken konnte. Anfang der 50er Jahre erweiterte S. den Betrieb um eine mechan. Weberei mit Druckerei, Färberei und Appretur in Zittau (Sachsen) mit etwa 600 Beschäftigten, die er jedoch 1882 wegen der sich verschärfenden Schutzzollpolitik aufgab. 1857/58 verlagerte S. die mechan. Druckerei nach Semil (Semily), 1862 kamen eine Baumwollspinnerei und eine Weberei mit 500 Webstühlen im nahegelegenen Iserthal hinzu. 1883 waren insgesamt 3.600 Arbeiter in dem maschinell hochgerüsteten Betrieb, der Niederlagen in Wien und Prag hatte, beschäftigt. S. prägte das Wirtschaftsleben dieses Raums und schuf für seine zahlreiche Arbeiterschaft auch humanitäre Einrichtungen wie Wohnhäuser, Krankenhäuser und Schulen. Er erhielt für seine Produkte Auszeichnungen auf den Weltausst, 1863 das Ritterkreuz des Franz-Joseph-Ordens, 1868 (zum 25jährigen Firmenjubiläum) nob. Ab 1874 war S. als Anhänger der dt. liberalen Partei Mitgl. des Herrenhauses.


Literatur: L: Neues Wr. Tagbl. vom 5. 8. 1868; Reichenberger Ztg. vom 28., 29. 7. 1868 und 26. 4. 1883; Bohemia und N. Fr. Pr. vom 26. 4. 1883; Großind. Österr. 4, S. 176; Hahn, 1879; Wuzbach; F. Hantschel, Biographien dt. Industrieller aus Böhmen, o. J.; Allg. Verw.A., Haus-, Hof- und Staatsarchiv, beide Wien.
Autor: (E. Hann)
Referenz: ÖBL 1815-1950, Bd. 10 (Lfg. 48, 1992), S. 257f.

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  • geboren in > Braunau
  • gestorben in > Český Dub