Prasch, Alois

Prasch Alois, Schauspieler, Regisseur, Theaterdirektor und Schriftsteller. * Böhm. Leipa (Ceská Lípa, Böhmen), 8. 10. 1854; † Prag, 22. 2. 1907.

Sohn des Staatsanwaltes und späteren Advokaten Johann P.; wandte sich gegen den Willen der Eltern der Theaterlaufbahn zu und erhielt seine Ausbildung in Wien bei Strakosch und an der Theaterakad. E. Kierschners (s. d.). Nach einem Engagement in Linz (1875) wurde er 1876 an das Meininger Hoftheater, 1878 an das Stadttheater Frankfurt a. M. und 1879 als 1. jugendlicher Held an das Hoftheater in Karlsruhe verpflichtet. Hier war er durch zehn Jahre auch im Lustspiel sehr erfolgreich. P. war ein maßvoller Schauspieler, der seine Rollen intellektuell zu durchdringen suchte, aber in der Darstellung höchster Affekte nicht überzeugen konnte. 1885 gründete er das Süddt. Hoftheater-Ensemble, mit dem er als Dir., Regisseur und Schauspieler auf Tournee ging und bes. die damals noch verpönten Stücke des französ. und dt. bürgerlichen Realismus aufführte. 1889–92 war P. Dir. und Oberregisseur des Straßburger Stadttheaters, 1892–95 des Hof- und Nationaltheaters in Mannheim. Herausragende Produktionen der Mannheimer Zeit waren u. a. Leoncavallos „Bajazzo“ und Smetanas „Verkaufte Braut“, auf dem Gebiet des Schauspiels u. a. Hauptmanns „Hanneles Himmelfahrt“ und Sudermanns „Heimat“, die P. unmittelbar nach den Berliner Erstaufführungen herausbrachte. 1895 ging P. nach Berlin, wo er die Dion. des Berliner Theaters, 1897 auch die des Theaters des Westens (das er in Goethe-Theater umbenannte) übernahm. Trotz einiger auch künstler. erfolgreicher Inszenierungen (bes. von Shakespeares „Wintermärchen“, 1898, in dem ihm der Schritt vom illusionist. Grundton des Meininger Inszenierungsstils zur poet. Szenenwirkung gelang) und guter Schauspieler – u. a. M. Pohl (s. d.), seiner Frau Auguste P.-Grevenberg (1854–1945), die schon im Süddt. Hoftheater-Ensemble bes. in Hosenrollen große Erfolge errungen hatte, und A. Bassermann, dessen entscheidende Förderung P. zu verdanken ist – hatte er sich mit dieser Doppeldion. künstler. und finanziell übernommen und mußte schon 1898 von der Dion. des Theaters des Westens, 1899 auch von der des Berliner Theaters zurücktreten. Ab 1903 leitete er noch einmal das Theater des Westens – diesmal als volkstümliche Opernbühne, mit Pfitzner als Kapellmeister, der 1905 mit seiner Aufführung von Wolf-Ferraris „Die neugierigen Frauen“ diesem Werk zum entscheidenden Erfolg in Deutschland verhalf. 1906 jedoch mußte P., finanziell und gesundheitlich erschöpft, seinen Posten aufgeben. Schriftsteller. trat P. als Autor von Märchenspielen und zeitgebundenen Festspielen hervor.


Werke: Hauptrollen: Hamlet (W. Shakespeare, Hamlet); Prinz (H. v. Kleist, Der Prinz v. Homburg); Faust (J. W. v. Goethe, Faust); Melchthal (F. v. Schiller, Wilhelm Tell); Loisl (A. Baumann, Das Versprechen hinterm Herd); etc. – Inszenierungen: J. W. v. Goethe, Faust I, 1895, Faust II, 1897; E. v. Wildenbruch, Heinrich und Heinrichs Geschlecht, 1896; F. Koppel-Ellfeld–F. v. Schönthan, Renaissance, 1896; etc. – Publ.: Der Jägerwirt (Drama, Musik von H. Steiner), 1887; Lieder eines Wandervogels, 1899; zahlreiche Festspiele, u. a. Hohenzollern, 1894, und Märchenspiele, u. a. Dornröschen, 1891, 2. Aufl. 1902; Lustspiele; Essays; etc.
Literatur: Prager Tagbl. vom 22., Bohemia, Fremden-Bl., N. Fr. Pr. und N. Wr. Tagbl. vom 23. 2. 1907; Mitth. des Nordböhm. Excursions-Clubs 19, 1896, S. 366, 20, 1897, S. 208; Bühne und Welt 9, 1907, S. 524; Brümmer; Eisenberg; Kosch; W. Harder, Das Karlsruher Hoftheater, 1889, S. 28 f.; Dt. Theater-Lex., hrsg. von A. Oppenheim und E. Gettke, 1889; Das geistige Berlin, hrsg. von R. Wrede und H. v. Reinfels, 1, 1897; Heimatkde. des polit. Bez. B. Leipa, bearb. von F. Hantschel, 1911, S. 566 f.; W. Russo, Goethes Faust auf den Berliner Bühnen (= German. Stud. 32), 1924, S. 152 ff.; J. Bab, A. Bassermann, 1929, S. 75, 77 f., 82 ff., 106; E. L. Stahl, Das Mannheimer Nationaltheater, 1929, S. 165 ff.; W. Abendroth, H. Pfitzner, 1935, S. 125 ff.; C. Rhode, Das „Berliner Theater“ von 1888–99, phil. Diss. Berlin, 1966, S. 110 ff.
Autor: (H. Reitterer)
Referenz: ÖBL 1815-1950, Bd. 8 (Lfg. 38, 1981), S. 240f.

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