Madonizza, Antonio

Madonizza Antonio, Politiker und Publizist. * Capodistria (Koper, Istrien), 8. 2. 1806; † Parenzo (Porec, Istrien), 1. 9. 1880.

Während des Jusstud. an der Univ. Padua nahm er 1829 an der antiösterr. Studentenbewegung teil. 1830 Dr. jur. Rechtsanwaltspraxis in Triest. 1836 gründete M. „La Favilla“ (Der Funke), eine kulturelle Z. mit kosmopolit. Zielsetzung. 1838 gab er die Leitung der Z. auf und ging nach Venetien und der Lombardei. 1839 in Capodistria, errichtete er ein Kinderasyl nach den Theorien des Pädagogen Aporti. Polit. war M. anfangs Triestiner Separatist, dann – im Zuge der Ereignisse von 1848 – nahm er eine bürgerlich-liberale Haltung ein und befürwortete die rechtliche Sicherung der Italiener innerhalb des österr. Staatsgefüges. Er war der führende Geist der istr. Delegation am konstituierenden Reichstag in Wien und Kremsier, wo er sich dem polit. Programm der poln. Föderalisten anschloß. Während der Ära Bach (s. d.) stellte M. seine polit. Tätigkeit ein und arbeitete gelegentlich an literar. Z. mit, hielt Vorträge und reiste 1857 nach Deutschland. Nach der Verfassungsreform von 1860/61 wurde M. Delegierter bei der ersten Provinzversmlg. Istriens, wo er die liberale Mehrheit anführte und eine separatist. Politik, die in den Wahlen von 1861 die „Niemandsbewegung“ genannt wurde, betrieb. 1865 war er einer der Anreger der in Istrien veranstalteten Feiern zum 600. Geburtstag Dante Alighieris. 1866 ging er wegen der Kriegsereignisse ins italien. Exil; 1867 kehrte er mit der liberalen Mehrheit in die Provinzversmlg. zurück und war Mitbegründer der Z. „La Provincia“. 1869/70 regierte er als Ratsältester die Stadt Capodistria und förderte die Errichtung von gem. Hilfswerken und öff. Bibl. In dieser Zeit widmete er sich wieder dem föderalist. Gedanken und schenkte vor allem Fischhofs (s. d.) Ideen besondere Aufmerksamkeit, wobei ihm eine Gemeinschaft von autonomen Provinzen auf nationaler Grundlage vorschwebte. Er war auch Delegierter bei der 4. Provinzversmlg. Istriens und starb kurz vor seiner Entsendung in den Reichsrat.


Literatur: Di me e de’fatti miei, hrsg. von G. Quarantotti, 1951; La porta orientale, 1950, S. 117 ff.; Pagine istriane, 1950, S. 165, 178, 185, 191 f.; In morte di A. nob. de M., 1870; G. Quarantotti, Figure del Risorgimento in Istria, 1929, S. 75 ff.; ders., Uomini e fatti del patriotismo istriano, 1934, S. 21 ff.; ders., Le origine e i primordi del giornale letterario „La Favilla“, in: Archeografo triestino 3, Bd. 10, 1923; C. Pagnini, I giornali di Trieste dalle origini al 1959, 1959, S. 65 ff.; C. Curto, La letteratura romantica nella Venezia Giulia, 1931, S. 135 ff.; Storia della Dieta del nessuno, 1938; A. Agnelli, Una storia di confine, in: Quassù Trieste, 1968, S. 64; G. Caprin, Tempi andati, 1891, S. 75 ff., 435 ff., 483 ff.
Referenz: ÖBL 1815-1950, Bd. 5 (Lfg. 25, 1972), S. 402f.

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  • geboren in > Koper
  • gestorben in > Poreč