Kvapil, Jaroslav

Kvapil Jaroslav, Schriftsteller und Regisseur. * Chudenitz (Chudenice, Böhmen), 25. 9. 1868; † Prag, 10. 1. 1950.

Sohn eines Arztes, Gatte der Schauspielerin Hanna K. Nachdem er das Stud. an der medizin. und philosoph. Fak. in Prag abgebrochen hatte, widmete er sich der Literatur und dem Theater. 1891–94 Redaktionsmitgl. der Z. „Hlas národa“ (Stimme des Volkes), 1894–98 bei „Národní listy“ (Volksbl.), 1894 Redakteur der Z. „Ceská stráž“ (Tschech. Wacht), dann Redakteur des Prager Verlages J. Otto, dessen belletrist. Z. „Zlatá Praha“ (Goldenes Prag) 1897–1904 und Verlagszyklus „Svetová knihovna“ (Bibl. der Weltliteratur) von ihm redigiert wurden. 1897 Regisseur des Theaters in Prag-Smíchov, 1898 des Theaters „Urania“, ab 1900 Dramaturg, ab 1906 gleichzeitig auch Regisseur und ab 1912 Chef des Ensembles des Prager „Nationaltheaters“ (Národní divadlo). 1918–20 Mitgl. der revolutionären Nationalversmlg., 1918–22 Sektionschef des Min. für Unterricht und Volksbildung. 1921–28 Spielleiter des Städt. Theaters in Prag-Vinohrady. Während des Zweiten Weltkrieges war er Widerstandskämpfer, wurde 1944 von der Gestapo verhaftet und – trotz seiner Blindheit – in Prag inhaftiert. 1946 zum Volkskünstler und Dr.h.c. der Univ. Prag ernannt, Mitgl. der Tschech. Akad. der Wiss. und Kunst. Als Dichter, Dramatiker und Theaterfachmann mit großem Organisationstalent, beeinflußte er nahezu vierzig Jahre – in erster Linie durch sein Wirken am Theater – das tschech. Kulturleben. Während des Ersten Weltkrieges machte er aus dem tschech. Nationaltheater ein Zentrum nationaler Bestrebungen. Als Dramaturg und Regisseur brachte er besonders die Stücke H. Ibsens und russ. Dramatiker (Tschechov, Gorki, A. N. Ostrovskij), aber auch Märchenspiele und symbol. Dramen (Maeterlinck) auf die Bühne des Nationaltheaters; das klass. Repertoire stützte er vor allem auf Shakespeare (er führte insgesamt 22 seiner Stücke auf, 1916 inszenierte er einen Jubiläumszyklus, der fünfzehn seiner Stücke umfaßte) aber auch auf Schiller (Wallenstein) und Goethe (Faust). Auf dem Gebiet des tschech. Theaters war K. der Schöpfer eines neuen Regie- und Inszenierungstiles, der auf M. Reinhardt und K. S. Stanislavskij zurückgeht. Er vereinfachte den Bühnenraum, arbeitete mit Vorliebe mit feinen Licht- und Farbeffekten, machte sich auch die szen. Musik zunutze und schuf auf der Bühne eine beseelte, verinnerlichte Atmosphäre. Durch ausgezeichnete Übersetzungen von Dramen der Weltliteratur (Ibsen, Björnson) und durch Libretti zu den Opern A. Dvoráks (s. d.), J. B. Foersters u. a. übte er auf das tschech. Theater einen größeren Einfluß aus als durch seine eigenen Dramen, von denen das Märchenspiel „Princesna Pampeliška“ am beliebtesten war. Als Dichter ging er aus der Schule J. Vrchlickýs hervor und gelangte von einer Dichtung im Geiste der französ. Parnassiens zu einer intimen und sozialen Lyrik.


Literatur: J. Borecký, J. K., 1918; Fr. Götz, J. K. (mit Bibliographie), 1948; Slovník ceských spisovatelu, 1964; Kunc, 1945; Novák, S. 901 ff., 957 ff.; Masaryk 4; Otto 15, 28, Erg. Bd. III/2; O. Fischer, K dramatu (Zum Drama), 1919; A. Novák, Krajané a sousedé (Landsleute und Nachbarn), 1922; K. H. Hilar, Pražská dramaturgie (Prager Dramaturgie), 1930.
Referenz: ÖBL 1815-1950, Bd. 4 (Lfg. 19, 1968), S. 381f.

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