Tschabuschnigg, Adolf Ignatz Ritter von

Tschabuschnigg Adolf Ignatz Ritter von, Ps. A. V. T. Süd, Politiker, Jurist und Schriftsteller. Geb. Klagenfurt (Klagenfurt am Wörthersee, Ktn.), 20. 7. 1809; gest. Wien, 1. 11. 1877.

Spross einer im 17. Jh. geadelten Familie. Sohn des Beamten Karl Leopold Emanuel Ritter v. T. (gest. 1848) und der Aloisia v. T., geb. Hubmerhofer v. Sonnenberg; ab 1841 verheiratet mit Julie Marie v. T., geb. v. Heufler zu Rasen (geb. Innsbruck, Tirol, 24. 5. 1810; gest. ebd., 7. 10. 1867). – T. besuchte 1819–26 das Lyzeum in Klagenfurt und stud. 1826–30 Jus in Wien. Nach der Gerichtspraxis wurde er 1836 adjutierter Auskultant am Stadt- und Landrecht in Triest, von wo aus er Reisen durch Süddtld., die Schweiz und Italien unternahm. 1844 kehrte er an das Stadt- und Landrecht nach Klagenfurt zurück. 1848 nahm T. aktiv an den polit. Ereignissen teil, trat in die Nationalgarde ein, ging jedoch auf Distanz zum demokrat. Ktn. Volksver. Zudem arbeitete er als Vertreter der Ktn. Prov.stände in Wien am konstitutionellen Verfassungsentwurf mit. Aus dieser Periode datiert auch die Freundschaft mit →Vinzenz Rizzi. 1849–50 folgten Reisen nach Belgien, Frankreich, Holland und England, um Aspekte des Strafvollzugs zu stud. 1854 kam T. an das Oberlandesgericht Graz, 1859 an den Obersten Gerichtshof nach Wien. Ab 1861 wirkte er als RR-Abg. an wichtigen Vorhaben (Staatsgrundgesetz, Strafprozessordnung, direktes Wahlrecht) mit; 1870–71 fungierte er im Kabinett Potocki als Justizminister. Nach einer gescheiterten Wiederwahl wurde T. in das HH berufen. 1869–72 unternahm er Reisen nach Skandinavien, Ungarn, Polen und Ägypten. T. verstarb nach einem Kuraufenthalt in Karlsbad (Karlovy Vary). Literar. trat er 1832 mit einem Roman („Das Haus der Grafen Owinski“) und im folgenden Jahr mit einem Ged.bd. („Gedichte“) an die Öffentlichkeit. Die 1835 veröff. „Novellen“ erzielten erstmals breitere Resonanz. 1837 wurde T. mit →Francesco Dall’Ongaro bekannt, der sich in der von ihm hrsg. Z. „La Favilla“ für den Dialog der lokalen Kulturen in Triest aussprach. Ferner trat T. mit →Leopold Kordeš, dem Hrsg. der Z. „Carniola“ in Laibach (Ljubljana), in Kontakt, in der bis 1844 mehrere Ged. und Reiseskizzen zum Abdruck gelangten. Das Slaw. wurde erstmals im Roman „Der moderne Eulenspiegel“ (1846) thematisiert. Dieser nimmt Thesen des späteren Aufsatzes „Zur Frage der Nationalitäten“ (1848) vorweg, der in →Ludwig August v. Frankl-Hochwarts Wr. „Sonntagsblättern“ erschien. Obwohl T. eine kulturell-sprachl. Emanzipation befürwortete, lehnte er Forderungen nach polit. Partizipation und Autonomie ab. Dabei hob T. die Südslawen positiv von den autonomieorientierten Tschechen ab und skizzierte einen eventuellen slaw. Staatenbund als „territoriales Ungethüm“ und Gefahr für Österr. 1854 trat T. mit der Veröff. des Romans „Die Industriellen“ wieder als Schriftsteller hervor, jedoch mit mäßiger Resonanz. In der Diskussion über die Unterrichtssprache in zweisprachigen Ktn. Gmd. favorisierte er eine Regelung nach dem Mehrheitsprinzip.


Referenz: ÖBL 1815-1950, Bd. 14 (Lfg. 66, 2015), S. 480f.

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  • geboren in > Klagenfurt
  • gestorben in > Wien